Unser Coverbild zeigt das Kunstwerk des lettischen Bildhauers Karlis Ile und der lettischen Kunststudentin Maija Puncule, die ihr Werk ›Die letzte Mursi-Frau‹ nannten. Das Mursivolk ist eine ethnische Gruppe im Südwesten Äthiopiens, deren Frauen traditionell Lippenteller aus Ton tragen. Für uns eine sehr ungewöhnliche Kultur, die gerade auch aus ethischer Sicht für unser Verständnis sehr schwer nachzuvollziehen ist. Wir sehen es als Verstümmelung an, wenn Lippen eingeschnitten und Zähne ausgeschlagen werden und die Lippen immer mehr geweitet werden, bis ein etwa fünfzehn Zentimeter großer Teller
hineinpasst. Für Ilis aber war es eine ganz bewusste Entscheidung, ein Portrait zu schaffen, das eine Kultur zeigt, die immer mehr ausstirbt. Er hat die letzte Mursi-Frau als eine Metapher geschaffen, die uns zeigt, dass es eine Welt jenseits von Handy und Internet gibt. Und dass unsere Kultur immer mehr auf die Naturvölker übergreift. Schon als Kind hat Karlis Ilis viele Bücher über Afrika gelesen. Er selbst war bis heute nie dort und doch schon immer fasziniert von der Landschaft. Heute sieht er aber auch, dass der Fortschritt viele Kulturen und Traditionen zerstört. »Natürlich ist unsere letzte Mursi- Frau genetisch nicht die letzte ihrer Art, aber die Traditionen verschwinden immer mehr. Es sind doch die alten Traditionen, die unseren Planeten bunt machen. Das ist die Geschichte, die ich in dieses Gesicht schreiben wollte«, so Ile.

20150429-DSC_4041

Der küntlerische Leiter der ›1. Berliner Sandwelt‹, Othmar Schiffer-Belz, war für die Auswahl der Künstler zuständig. Er suchte aus den internationalen Bewerbern die zwanzig besten Künstler aus, die für die Ausstellung ›Safari durch Afrika‹ in ›Karl´s Erlebnisdorf‹ in Elstal ihre Sandskulpturen errichten durften. Nachdem diese eingeladen und angereist waren, wurden die Gesamtkonzepte sowie der Platzplan besprochen und wie groß die Kunstwerke jeweils werden sollen. Auch die Mursi-Frau wurde vorher ausgiebig diskutiert. »Die Lippenteller der Mursi haben eine lange Tradition. Die Mädchen fertigen ihre Tonteller selbst mit Erde an. Die Diskussion darüber hängt natürlich von den Einflüssen ab. Für uns sind Tätowierungen beispielsweise etwas völlig Normales, wohingegen andere Kulturen das als fragwürdig ansehen. Da dürfen wir nicht so schnell aus unserer Position urteilen«, so Schiffer-Belz. »Aber auch bei den Mursis hat sich viel geändert. Viele junge Mädchen wollen die Teller gar nicht mehr tragen und tragen sie auch nicht mehr. Von dem zurückgezogenem Volk gibt es noch etwa 10 000 Menschen Das ist eine aussterbende Kultur.« Das kleine Mädchen in der Skulptur ist sinnbildlich das letzte seiner Art. Es schaut voller Hoffnung in die Zukunft. »Mit unserer Afrika-Safari wollen wir zeigen, wie groß die Welt ist. Wir wollen auch darauf aufmerksam machen, dass es alles, was es dort gibt, in seiner Originalität nie wieder geben wird«, sagt Othmar Schiffer- Belz.

Kommentare sind geschlossen.