HHK_Klinikfront-Martin-PechIn der neuen Rubrik »Zum Wohl« möchte friedrich seinen Lesern Tipps rund ums Thema Gesundheit geben. Dazu befragen wir Experten zu den verschiedensten Bereichen. In dieser Ausgabe sprechen wir mit Dr. med. Barbara Lieberei, Chefärztin Krankenhausabteilung/Akutpsychosomatik, und Martin Lotze, Chefarzt Rehabilitationsklinik, von der ›Heinrich-Heine-Klinik‹ Potsdam. Es geht um Resilienz und die Frage, was uns gesund hält in kritischen Lebenssituationen.

Wie Resilienz uns hilft, schwierige Lebenssituationen zu meistern

Was genau ist Resilienz?
Mit dem Begriff Resilienz wird die psychische Widerstandsfähigkeit bezeichnet, schwierige Lebenssituationen, Konflikte und Krisen zu bewältigen. Hierzu gehören beispielsweise ein stabiles Selbstwertgefühl, günstige Stressbewältigungsstrategien, ein tragendes und unterstützendes soziales Netz und vor allem innere Haltungen, die es uns ermöglichen, Probleme zu verarbeiten und uns neu auszurichten.
Was sind in unserer heutigen Gesellschaft die Lebenssituationen, die uns aus der Bahn werfen können?
Das können einschneidende Lebensveränderungen wie eine Trennung oder Scheidung, die Pensionierung oder ein Trauerfall sein, aber auch belastende Ereignisse wie ein Unfall oder eine schwere Krankheit. Vor allem aber auch unsere komplexe Arbeitswelt bietet vielfache Belastungen wie Jobverlust, Mobbing, langandauernde Arbeitslosigkeit, Stress und Zeitdruck.
Was hilft denn einem Menschen, der in solch einer Lebenskrise steckt?
Einschneidende Lebensereignisse und leidvolle Erfahrungen gehören zum Leben dazu, genauso wie freudvolle Momente und Schönes – diese Einsicht ist heutzutage leider etwas verlorengegangen. Dies führt nicht selten dazu, die negativen Ereignisse als »Fehler« oder »Versagen« zu werten und am Leid zu verzweifeln oder zu verbittern. Tatsachen sind oft nicht zu ändern, unsere Haltung hingegen schon. So kann es hilfreich sein, günstige Einstellungen zu entwickeln und zu trainieren, die es uns ermöglichen, innere Distanz zum Erlebten aufzubauen, Widrigkeiten zu tolerieren und diese sogar auch als Herausforderungen und Chance für persönliches Wachstum und Veränderung zu betrachten.
Wie kann man das lernen und wo gibt es Hilfe?
Es gibt immer wieder Betroffene, die nach einem kritischen Lebensereignis völlig aus der Bahn geworfen sind und mit ihrem Leben nicht mehr fertig werden. Dann kann psychotherapeutische Hilfe wichtig werden, ambulant oder auch mal stationär. Hier sind die Ansätze vielfältig. Es gibt beispielsweise neuere therapeutische Ansätze aus der Forschung wie die sog. »Weisheitstherapie«. Weisheit ist aus psychologischer Sicht eine Reihe von Fähigkeiten, die uns helfen, in solchen kritischen Situationen günstige Lösungen zu finden oder sie besser zu ertragen. Da ist zum Beispiel die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, das heißt, die unterschiedlichen Standpunkte und Motive der am Problem beteiligten Personen wahrzunehmen. Kann ich mich wirklich in die Haut eines anderen hineinversetzen und das Problem aus seiner Sicht sehen? Da ist die Fähigkeit zur Selbstrelativierung, also kann ich akzeptieren, dass in der Welt vieles nicht nach meinem Willen läuft und ich selbst nicht immer am wichtigsten bin? Kann ich emotionale Ausgeglichenheit bewahren und meine Schwierigkeiten auch mit Distanz oder gar mit Humor betrachten?
In einer Psychotherapie können solche Kompetenzen gezielt eingeübt werden und hilft der Austausch mit anderen Betroffenen, wieder einen Weg aus der Krise zu finden.

 

Die ›Heinrich-Heine-Klinik‹ Potsdam ist das größte Zentrum für Psychosomatik und Psychotherapie in der Region. Die Klinik liegt auf einer Halbinsel direkt am Lehnitz- und Krampnitzsee nahe der Stadtgrenze zwischen Berlin und Potsdam.
Im Rehabilitationsbereich reicht das Behandlungsspektrum von Depressionen, Burnout, posttraumatischen Belastungsstörungen, Angststörungen, Schwindel und Tinnitus über Krisensituationen und Anpassungsstörungen bis hin zu chronischen Schmerzen. Eine individuelle Rehabilitationsmaßnahme dauert im Schnitt fünf Wochen.
Daneben betreibt die Klinik eine eigenständige Krankenhausabteilung für Patienten mit akuten psychischen Störungen. Hier werden Patienten mit affektiven Störungen, Belastungsstörungen, somatoformen Störungen, Angststörungen, Zwangsstörungen, psychischer Symptomatik bei körperlichen Erkrankungen sowie Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen behandelt.
Das integrative Behandlungskonzept und zahlreiche therapeutische Ansätze tragen dazu bei, dass Patienten neue Kraft schöpfen und ihr Leben wieder in gesunde Bahnen lenken können.

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