80_potsdamer_janaAls friedrich-Mitarbeiterin Jana Olm 2006 beschließt, für ein halbes Jahr nach Ägypten zu gehen, um dort im Rahmen ihres Studiums beim deutschen Honorar-Konsulat in Hurghada zu arbeiten, schlägt ihre Familie die Hände über dem Kopf zusammen. Doch Reisen war für Jana schon immer etwas Besonderes. »Leben bedeutet für mich, immer lange unterwegs zu sein und möglichst spät anzukommen. Deswegen habe ich auch Leisure- und Tourism-Management studiert. So konnte ich während des Studiums schon durch die Welt reisen«, erzählt sie. »Meine Mutter hat mich diesbezüglich immer unterstützt. Bis ich ihr offenbarte, dass die nächste Reise mich nach Ägypten führen wird.« Ihre Familie samt Freund waren geschockt. Warum gerade Ägypten?, wurde sie immer wieder gefragt. Niemand konnten es verstehen. Aber Jana war entschlossen und wollte die Kultur kennenlernen. Sie bewarb sich am Konsulat in Hurghada und bekam auch schnell die Zusage, weil es perfekt zu ihrem Studium passte.

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Im Sommer 2006 ist sie schließlich mit einer Studienfreundin aufgebrochen. »Im Nachhinein muss ich sagen, dass es gut war, dass wir zu zweit waren. In einem muslimischen Land zu leben, ist doch etwas anderes.« Die heute 35-Jährige war damals für alles offen und hatte sich vorher keine Gedanken gemacht. Sie genossen das Privileg, dass die Frau des damaligen Generalkonsuls Peter Ely ein Hotel mit dem Namen ›Living with Art‹ leitete und sehr liebevoll gestaltet hatte. Jedes Zimmer wurde nach einem eigenen Thema eingerichtet. Eines davon wurde für die nächsten Monate Janas zu Hause. »Wir hatten wirklich Glück, dass wir nicht in irgendeiner Absteige wohnen mussten«, sagt sie. Der Empfang war sehr herzlich und ihre Unterkunft großzügig. Zu den alltäglichen Arbeitsaufgaben der Studentinnen gehörten mündliche, fernmündliche und schriftliche Beratungen zu Eheschließungen von deutsch-ägyptischen Ehen, Visafragen, Wohnsitzänderungen, Immobilienkäufen oder Vertragsabschlüssen und Schulbesuchen. Außerdem zählte die Registrierung und Organisation im Todesfall von Touristen einschließlich der Kontaktaufnahme zu Angehörigen und betreffenden Institutionen in Deutschland zu ihrer Tätigkeit. Durch das Hotel hatte Jana viele Kontakte zu Einheimischen, die dort angestellt waren. Es wurde über Glaubensfragen diskutiert, und auch den Ramadan hat sie aktiv mitgemacht. Welche Auswirkungen dies auf ihre Arbeit haben würde, konnte die Werderanerin vorher nicht ahnen. »Tagsüber passiert wirklich gar nichts in dieser Zeit, deshalb mussten wir unsere Arbeitszeiten anpassen, um überhaupt jemanden zu erreichen.«

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Bis heute hat Jana Kontakte nach Ägypten, insbesondere zu Freunden, die dort eine Tauchstation betreiben. Ihre Kommilitonin fliegt noch immer regelmäßig in den Urlaub dorthin. Sie selbst würde zum jetzigen Zeitpunkt aus Sicherheitsgründen nicht mehr nach Hurgharda oder zu anderen Touristenorten dort fliegen. Dennoch hat sie viele Dinge im Herzen behalten und mit zurück in die Heimat genommen. Vor allem die Gelassenheit und die Herzlichkeit der Ägypter. »Im Konsulat haben wir ein ziemlich straffes Arbeitspensum gehabt, doch wenn wir Feierabend hatten, ging es ans Meer und man wurde erst mal richtig entschleunigt. Auch das Angebot in den Lebensmittelläden war dort wesentlich eingeschränkter. Es gab eine Sorte Brot und eine Sorte Joghurt. Zurück in Deutschland stand ich völlig überfordert vor dem Kühlregal mit den hunderten Sorten Joghurt. Das gab es in Ägypten nicht.« Allerdings muss sie auch zugeben, dass einige Vorurteile ihrer Familie zutrafen. Als Blondine färbte sie sich die Haare schwarz, weil ihr Leben damit um einiges einfacher war. Dennoch hat sie viele schöne Erinnerungen, unter anderem einen Ausritt mit dem Pferd zu den Pyramiden. Ihr Freund war jedenfalls heilfroh, als sie wieder zurück war. Über Weihnachten hatte er sie besucht und über den Dächern von Ägypten einen Heiratsantrag gemacht. »Das wäre sonst sicher nicht so schnell passiert«, lacht Jana.

 

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