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Foto: Konrad Balzer

Sie ist ein gärtnerisches Kleinod mitten in Potsdams Innenstadt: die Freundschaftsinsel. Ihre Erfolgsgeschichte begann 1937, als der damalige Oberbürgermeister Friedrichs auf Anregung des Bornimer Staudenzüchters Karl Foerster hier den ersten Schau- und Sichtungsgarten Deutschlands anlegen ließ. Nach dessen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Eiland, wiederum auf Betreiben Foersters, ab 1953 wieder aufgebaut. Beim Ausbau der Insel zu den Weltfestspielen 1973 entstanden dann Ausstellungspavillon, Inselcafeteria, Freilichtbühne, Hafen und ein Spielplatz. Der Mann, der über vier Jahrzehnte die Entwicklung der Freundschaftsinsel begleitete, ist Jörg Näthe. Bereits 1972 kam der Treuenbrietzener im Rahmen seiner Ausbildung zum Landschaftsgärtner erstmals hierherund blieb zunächst als Vorarbeiter. Nach dem Armeedienst und dem Studium in Erfurt zum Gartenbauingenieur wurde Näthe 1981 leitender Inselgärtner. »Die schwierigste Zeit war die nach der Wende. Vor allem Vandalismus war ein riesiges Problem. Ständig wurde eingebrochen, waren die Figuren umgeschmissen.« Trotz geringer Besucherzahlen und finanzieller Mittel schaffte es Näthe, den Zustand der Insel auf einem qualitativ hohen Niveau zu halten. Ein Markstein während Näthes Tätigkeit war die Aufnahme der Freundschaftsinsel in das Ausstellungsprogramm der Stadt Potsdam zur Bundesgartenschau 2001. Er begleitete sämtliche Phasen der gartendenkmalpflegerischen Wiederherstellung der Insel, die damit verbunden war. Sicher nicht zuletzt auch durch sein Engagement entwickelte diese sich zu einem Highlight der BUGA. »Ich habe unzählige Fachführungen, BUGA-Veranstaltungen und -Ausstellungen mitorganisiert. Man erlebt es sicher nur einmal im Leben, an so etwas Großem mitzuwirken.«

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Foto: Konrad Balzer

Der stetig wachsende Vandalismus wurde auch nach 2001 wieder zum Problem, sodass sich Näthe in der Stadtverwaltung erfolgreich für die nächtliche Schließung des Eilands einsetzte. »Das war sehr gut so und hat wirklich geholfen. Und die Zeiten, wo man zum Küssen nachts heimlich in einen Park gehen muss, sind ja auch längst vorbei«. Um den Erhalt des bis dahin erreichten Gestaltungs- und Pflegeniveaus zu gewährleisten und bürgerliches Engagement für den Ort zu organisieren, gründete Näthe 2003 den ›Verein Freunde der Freundschaftsinsel e. V. Potsdam‹ samt eigenem Fachbeirat. Der Verein hat heute über 150 Mitglieder, darunter viele Berliner, die sich in Potsdams Naturoase verliebt haben. »Mit dem Verein lässt sich einiges bewegen. So organisieren wir jeweils einen Frühjahrs- und einen Herbstarbeitseinsatz. Mit dieser praktischen Arbeit unterstützen wir die Inselgärtner bei der aufwändigen Pflege der Insel.« Zu den weiteren Aktivitäten der ›Freunde‹ gehört die Organisation verschiedener Kulturveranstaltungen und Ausstellungen, von denen in diesem Jahr wieder einige bevorstehen. Neben der alljährlichen Geburtstagsehrung Foersters am 9. März gehört das seit neun Jahren stattfindende asiatische Kulturfest ›Feuer und Wasser‹ zu den wiederkehrenden Höhepunkten. Hier steht am 6. August die Kultur Koreas im Mittelpunkt. Seit 2013 ist Näthe im Ruhestand. Seitdem widmet er sich nur noch dem Verein. »Heute muss man aufpassen, dass die Insel nicht übernutzt und übererschlossen wird. Der Trend geht dahin, sämtliche freien Flächen in Potsdam zu bebauen. Da ist es besonders wichtig, dass es inmitten der Stadt so einen Rückzugsort gibt.«

Fakten:
Jörg Näthe stammt ursprünglich aus Treuenbrietzen. Er ist studierter Gartenbauingenieur. 1981 trat er beim VEB Grünanlagen die Nachfolge von Peter Altmann an und iniziierte Veranstaltungen, die bis heute Bestand haben, etwa den alljährlichen ›Staudenbasar‹, der diesmal am 23. und 24. April stattfindet.

www.freundschaftsinsel-potsdam.de

 

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