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Sarah Appelt ist Reiseveranstalterin für Aktiv- und Erlebnisreisen in Indien und hat sich dabei besonders auf Trekkingtouren, Mountainbiking-Trips und Yogareisen im indischen Himalaya spezialisiert.
In einem kleinen Bergdorf im Norden Indiens verbringt sie den größten Teil des Jahres und führt ihre Gruppen durch den noch weitestgehend unbekannten Teil des mächtigen Gebirges.

Auf ihrem Blog schreibt sie regelmäßig über Reisetipps, Erfahrungen und die indische Kultur. Hier ein kleiner Einblick aus Sarahs Leben in Indien.

Ich wohne in einem kleinen Zimmer im Dorf Old Manali auf 2000 Meter Höhe im sogenannten Kullutal. Im Sommer ist Old Manali ein beliebter Touristenort, sowohl für indische Touristen, die der Hitze Zentralindiens entfliehen und zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee sehen, als auch für Langzeit-Backpacker oder internationale Bergsporttouristen.
Zu dieser Zeit haben viele kleine Cafés geöffnet, Restaurants bieten neben indischen Spezialitäten auch Pizza und Schnitzel an und in kleinen Geschäften wird Schmuck, indisches Handwerk und warme Kleidung aus Nepal verkauft.
Von April bis Oktober finden auch meine Touren statt, die ich zusammen mit meinen indischen Partnern organisiere. Dann verbringe ich die Tage überwiegend aktiv, entweder zu Fuß bei Treks und Bergsteigerexpeditionen oder auf meinen Mountainbike, während ich nachts im Zelt schlafe.
In einer Gemeinschaft aus tollen Menschen für mehrere Tage oder gar Wochen in der wilden Landschaft des Himalayas aktiv unterwegs zu sein, ganz auf sich alleine gestellt, ist für mich die perfekte Art zu leben!
Oft sind es einfach nur kleinere Trekkingtouren zu Bergseen oder über niedrige Pässe. Doch manchmal erleben wir richtige Abenteuer, wie auf einer Bergbesteigung oder auf längeren Mounatinbiking-Touren bis hoch in die Hochgebirgswüste Ladakhs.

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Wenn im Herbst die Saison für mich dann so langsam zu Ende geht, genieße ich die ruhigeren Tage in Old Manali. Die Touristen ziehen weiter Richtung Süden und die Geschäfte und Restaurants schließen über den Winter, sodass ich hier allein mit den Einheimischen lebe und sehr entspannte und langsame Tage habe.
In dieser Zeit bin ich dann oft auf kleineren Tagestouren mit meinen Fahrrad unterwegs, praktiziere Yoga auf meinem Dach oder fahre ins Nachbardorf Vaschisht. Hier gibt es heiße, natürliche Schwefelquellen, die zu einem erholsamen Bad einladen, und ein kleines Lokal mit der besten tibetischen Nudelsuppe in ganz Manali!
Oft verbringe ich auch mehrere Stunden auf dem einheimischen Markt. Hier gibt es tolle Obst- und Gemüsestände, einen kleinen Bücherladen und sogenannte »Beauty Parlour« für wohltuende Massagen und Gesichtsanwendungen.
Doch obwohl der Touristenstrom ab Oktober langsam abnimmt, herrscht im Herbst dennoch große Betriebsamkeit bei den Einheimischen. Denn nun beginnen die Vorbereitungen auf einen langen Winter: Brennholz und Gras für die Kühe muss gesammelt werden, die Ernte wird eingeholt und warme Kleidung wird gewebt.
Außerdem ist nun die Zeit der hinduistischen Feste und Hochzeiten. Eine Hochzeit ist ein großes fünftägiges Event mit vielen Ritualen für das Brautpaar, gutem Essen und ausgelassenem Tanzen für die Gäste.
Und auch die vielen kleineren und größeren Feiertage halten mich auf Trab. Während »Dusshera« ein einwöchiges Fest mit Jahrmarkt und Verkaufständen im 40 Kilometer entfernten Kullu ist, verläuft das Lichterfest »Diwali« eher geruhsamer bei den Familien zu Hause.
Dann kommt auch langsam der erste Schnee, und mit ihm kehrt dann die wirkliche Ruhe ein – oft sogar mit Stromausfällen und zugerfrorenen Wasserleitungen. Dann heißt es für mich, bis zum nächsten Sommer Abschied zu nehmen und weiterzuziehen, entweder Richtung Südindien oder zurück nach Deutschland!

www.chalo-reisen.de/blog

 

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