17.2.16_Vulkanschlote--Wanderung-in-der-Nähe-des-Ortes-RoumsikiWer kein Abenteurer ist und nicht gut Französisch spricht, sollte Kamerun mit einem einheimischen Guide und Fahrer besuchen. Hier sind die alten Traditionen sehr stark und die Notabeln (Clanchefs) – je nach Religionszugehörigkeit ›Fon‹ oder ›Lamido‹ genannt – regional sehr mächtig. Sie alle wollen von den »reichen Touristen« profitieren. Ein Guide kennt sich damit aus und hält die finanziellen Folgen in Grenzen. Im Land selbst ist alles erschwinglich. Die geführte Tour hat viele Vorteile. Nicht nur, dass Straßenschilder außerhalb von Städten selten sind, so manche »Straße« in Kamerun würde ein Europäer kaum mit dem Fahrrad befahren. Bleibt man trotz Allrades in einem der vielen Wasserlöcher stecken, ist es gut, ein Dorf mit hilfsbereiten Einwohnern zu kennen. Der Guide eröffnet zugleich tiefe, beeindruckende Einblicke in das Leben im Vielvölkerstaat, die hier friedlich nebeneinander lebenden Religionen und die tiefverwurzelten afrikanischen Traditionen.
Der Name Kamerun geht auf die portugiesischen Seefahrer zurück, die 1492 im Fluß Wuri viele Krabben fanden und die Region danach benannten (»Camarões«). Von 1868 bis 1916 war das Land deutsche Kolonie. Als Folge des Weltkrieges kam es unter Mandatsverwaltung von Frankreich und England. 1960/61 wurde Kamerun unabhängig, doch im französischen Teil ist die Abhängigkeit bis heute spürbar. Kamerun besteht aus zehn Regionen, von denen acht französisch geprägt sind. Die Hauptstadt ist Yaounde. Man nennt das Land auch »Afrika en miniature«, weil die Landschaften so vielfältig sind. Im Norden finden sich die Ausläufer der Sahara mit Savannenlandschaft, im Süd-Westen ziehen sich vulkanische Gebirge bis zur Küste. Den Süden prägt tropischer Regenwald.
Wir waren vier Wochen hier mit Guide und Fahrer unterwegs. Oft standen am Dorfeingang Schlagbaum und Uniformierte, die einen Blick auf unsere Pässe und Impfausweise warfen und auf ein »Taschengeld« spekulierten. Für diesen Fall war unser Reisebegleiter Sambo wichtig, der die Kosten dämpfte. Er sprach die Stammessprachen und ermöglichte Einblick in die Hütten der verschieden Stämme, vermittelte Audienzen bei Dorfältesten, und die Bauern zeigten voller Stolz ihre Felder und Produkte.
Eines der vielen Highlights war ein Aufenthalt im ›Dzanga Sangha‹ Tropenwald-Reservat in der Zentralafrikanischen Republik. Wir pirschten von einer Forschungsstation aus mit Pygmäen, die die Wege der Primaten kennen, zu den Flachland-Gorillas. Im Dschungel kündigten die Pygmäen mit Schnalzgeräuschen den Gorillas unser Kommen an. Als sich das Unterholz etwas öffnete, sahen wir etwa sechs Meter entfernt ein Weibchen mit Jungen. Später beobachteten wir Gorillas auf einem Baum, ein Silberrücken behielt uns kritisch im Auge! Ein grandioses Erlebnis war zudem eine Netzjagd, bei der wir die Ba-Aka-Pygmäen begleiteten. Man muss dabei jedoch bereit sein, deren Handeln und Glauben tolerieren. Beeindruckend war der Besuch einer Lichtung, auf der sich Waldelefanten, Waldbüffel und Bongos tummelten. Sie suchen die Salzlecken auf, die den Tieren wichtige Mineralien spenden. Alles wirkte wie ein fast unberührtes Paradies. Auf dem Rückweg sahen wir den leider durch die Holzwirtschaft bedrohten Lebensraum der kleinen freundlichen Pygmäen.

17.2.16_Ba-Aka-Pygmäen-an-einer-Straße-im-Süden17.2.16_Ölmühle--angetrieben-durch-den-Motor-in-einem-Autowrack
Von Yaounde fuhren wir mit dem ›Transcamerounais‹ in die nördliche Region Adamoua. Dort erlebten wir andere eindrucksvolle Landschaften, wie den Kola-Canyon aus bizarrem Basaltgestein und die Mandara Berge mit hunderten Vulkanschloten direkt an der nigerianischen Grenze. In einem Dorf trafen wir einen Wahrsager, der mit Krabben die Zukunft orakelte. Beeindruckend archaisch erlebten wir Töpferinnen und Weberinnen bei der Arbeit. In Maroua besuchten wir die Viertel der Gerber und der Schmiede. Trotz Schulpflicht wird hier der Beruf schon an die Kinder weitergegeben.
An der Grenze zum Tschad im »hohen Norden« leben die Mousgoum. Sie beeindrucken durch ihre Körpergröße und bauen kunstvolle Kuppelhäuser, die man ›Obus‹ nennt. Beim Bergvolk der Kirdi hatten wir eine Audienz in der Chefferie des Fon, der hier mit seinen rund 50 Frauen lebt. Vom Amtssitz bot sich ein herrlicher Blick. Im Dorf Tourou war Wochenmarkt, der die Menschen der ganzen Region anzieht. Typisch sind die »Kalebassen-Frauen«. Verheiratete Frauen oder einem Mann versprochene, oft fast noch Kinder, tragen eine halbe Kalebasse als Kopfbedeckung. Ist der Mann gestorben, wird die Kalebasse gespalten und zusammengenäht. So ist der Familienstand der Frau ersichtlich. Der Markt bietet neben Fleisch, Kleidern und Vieh vor allem Produkte aus dem Hauptnahrungsmittel Hirse, so Hirsebier und -bällchen.
In den englischen Bezirken gibt es noch Bauten der deutschen Kolonialzeit. Die Engländer übernahmen die von deutschen Schutztruppen angelegten Häuser, Straßen und Plantagen. In Foumban steht ein Palast, den der Sultan nach dem Vorbild des deutschen Gouverneurspalastes in Buea bauen ließ. Das »Tam Tam Haus« am Markt beherbergt eine mehrere Meter lange Trommel, mit der Krieg verkündet und die Soldaten herbeigerufen wurden. In den Bezirken Nord-Quest und Sud-Quest gibt es viele Steinhäuser aus deutscher Zeit, in Bamenda wird ein altes Fort heute als Kaserne genutzt. Die Gegend bietet herrliches Grün, Wasserfälle und Wälder.
In Bafut befindet sich die bedeutendste Chefferie dieser Region. Die Palastanlage besteht aus Torhaus, Trommelhaus, Versammlungshaus, den Frauen-Häusern und vielen kleinen Versorgungsbauten. Chef des Distrikts ist der Fon, umgeben von Notabeln (Fürsten). Das große Gästehaus wurde von den Deutschen während der Kolonialzeit gebaut.
Auf dem Weg nach Limbe stoppten wir an einer Ölmühle. Ein Autowrack war mit der Palmöl-Presse kombiniert uind der Motor trieb die Ölpresse an. Unser Weg führte uns durch Plantagen mit Ananas, Papayas und Kautschuk zu den Lavafeldern des Mount Kamerun. Der Berg hielt sich versteckt und der Regen verhinderte einen Aufstieg. Rund 30 Kilometer entfernt liegt die Buea – die Hauptstadt der Provinz Sud Quest. 1901 verlegte Gouverneur Jesko von Puttkamer den Verwaltungssitz der Kolonie nach Buea. Zeugen der Zeit sind das »Puttkamer-Schlösschen« und ein Bismarckbrunnen.
Wir haben manches in der Welt gesehen – Kamerun aber bleibt ein herausragendes Erlebnis.

 

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