Cornwall-Küste
Cornwall Küste

Warum hast du gerade in England studiert und später dann auch gelebt?
Durch ein vorhergehendes Auslandsjahr in Australien beim ›Work & Travel‹ kam ich auf den Geschmack, in einem englischsprachigen Umfeld zu leben. Der Hauptgrund war aber, dass ich damals eine englische Freundin hatte. Außerdem gab es an der Universität viele interessante Studiengänge, und die Anmeldung war unproblematisch. Beruflich bin ich später nach England gegangen, weil ich schon mit der Kultur und dem Arbeitsmarkt vertraut war.

Wo genau hast du dort gewohnt?
In der Studienzeit in Brighton in East Sussex am Ärmelkanal. Als ich gearbeitet habe zuerst in Rugby in Warwickshire in den Midlands, dann in einem kleinen Ort namens Redcar an der Nordsee bei Middlesbrough im Norden und danach in St. Albans in Hertfordshire nördlich von London.

Wie hast du dich damals eingelebt? Wie war die erste Zeit drüben?
Die erste Zeit war super spannend, alles ist neu, die Produkte in den Supermärkten, die Mode, die Gesprächsthemen, die Sprache, selbst banale Dinge wie der Klang der Polizeisirenen. Sich einzugewöhnen war sehr leicht, weil Brighton eine liberale und kreative Stadt mit zwei Unis ist. Es gab junge Leute aus allen Ecken Europas sowie aus Übersee. Man findet automatisch Leute mit ähnlichen Interessen und Sprachkenntnissen, über die Uni, den Nebenjob oder einfach in der Freizeit.

Was ist für dich besonders an England?
Zum einen sind die Engländer ein sehr offenes, freundliches und lustiges Völkchen. Ja, der Humor ist auf jeden Fall hervorzuheben, sowohl unter den Menschen als auch im Fernsehen. Keiner wird verschont. Zum anderen sind Engländer sehr pragmatisch, da wird im Verhältnis zu Deutschland schneller versucht, praktische Lösungen zu finden. Es gibt weniger bürokratische Planung, dafür vielleicht mehr gemeinschaftliches Brainstorming und Ad-Hoc-Maßnahmen. Auch hat man beruflich in England als Quereinsteiger immer gute Chancen, während man in Deutschland tendenziell eine passende ›Ausbildungshistorie‹ mitbringen muss.

Blenheim-Palace
Blenheim Palace

Gibt es spezielle kulturelle Unterschiede zwischen Engländern und Deutschen?
Das hängt von der Gegend ab. In Brighton gab es einen Mix an jungen Leuten aus vielen Ländern, da war es ein Kinderspiel, Gleichgesinnte zu finden. Am Anfang hat man sicher mehr Kontakt zu ›Mit-Ausländern‹, weil man im gleichen Boot sitzt und sich sprachlich und interessenmäßig auf einer Wellenlänge bewegt. Später ergaben sich mehr Kontakte zu Einheimischen, da man die Kultur besser verstand und nicht mehr nur Smalltalk machte.
Wie wahrscheinlich überall ist die Wahrnehmung anderer Kulturen von Klischees geprägt. Der Zweite Weltkrieg ist leider noch oft Diskussionsthema, genauso wie Fussball (›two world wars and one world cup‹). Auch deutsche Autos werden gern erwähnt. Deutsche gelten als effizient und über die deutsche Wirtschaft und den Einfluss auf die EU wird oft gesprochen. Und der Deutsche legt im Urlaub (unverständ-licherweise) sein Handtuch auf die Liege, ohne selbst da zu sein.

War England ›nur‹ ein Lebensabschnitt oder könntest du dir vorstellen, dort wieder hinzuziehen?
Aktuell ist Deutschland, und Potsdam, die beste Wahl, weil Familie und Freunde hier sind und weil meine Frau und ich ein Kind erwarten. Was Kinderunterstützung und -betreuung betrifft, ist England wesentlich teurer. Aber es gibt viele schöne Ecken in England, und prinzipiell ist es keine große Hürde, vor allem als ›effizienter Deutscher‹, dort als Quereinsteiger einen Job zu finden.

London-Eye
London Eye

Wer weiß, was die Zukunft bringt? Was ist in England insgesamt besser oder schlechter als in Deutschland?
Die Musik und das populäre Fernseherprogramm sind in England unterhaltsamer. Das Land ist generell sehr multikulturell und offen. Die Monarchie und die Geschichte des Landes (1000 Jahre ohne Invasion) sind interressant und prägen allgemein den Alltag. Schlechter ist, dass Familie und Freunde weit weg sind. Politische und wissenschaftliche Reportagen scheinen weniger ›akademisch‹ und weniger gut recherchiert. Und die öffentlichen Verkehrmittel sind sehr teuer.

Was war dein schönstes Erlebnis in England?
Da gibt es einfach zu viele: als Student in Brighton abends auszugehen und viele neue Leute in charmanten Pubs und Bars kennenzulernen, in Cornwall bei Falmouth an der Küste entlang zu spazieren, bei St. Ives in Cornwall Robben in freier Wildbahn zu beobachten, mit dem Auto durch die einsamen Hochmoore von North Yorkshire Moors zu fahren, durch die Hügellandschaft in Hertfordshire zu wandern, in London die vielen verschiedenen Sehenswürdigkeiten zu entdecken und, und, und …

 

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