IMG_3073
Foto: Max Almstädt

Mitte letzten Monats begann der Abriss der alten Feuerwache in Potsdams Werner-Seelenbinder-Straße 5. friedrich nahm dies zum Anlass, mit dem 1938 geborenen Potsdamer Feuerwehrmann Diethard Rehpenning zu sprechen, der von Anfang der 1960er Jahre, als das Gebäude errichtet wurde, bis zu seinem Ausscheiden 2001 in der Feuerwache Dienst tat. Er berichtete uns von seinen Erfahrungen und Erlebnissen.

Herr Rehpenning, warum sind Sie Feuerwehrmann geworden?

Ich bin aus Stettin, wo es im Zweiten Weltkrieg schwere Bombenangriffe gab. Als ich fünf war, habe ich da die Feuerwehr erlebt. Das hat mich geprägt. Und nach dem Krieg waren wir als Kinder bei einem Großbrand dabei. Da war ein Polizeikommissar, der sagte: ›Zugekuckt wird nicht. Entweder ihr helft oder ihr verschwindet.‹ Mit fünfzehn habe ich Schlosser im RAW Eberswalde gelernt. Vom ersten Tag als Lehrling an fing ich in der Werksfeuerwehr dort an. Der Leiter, ein alter U-Boot-Mann, hat gleich gemerkt, dass ich was in dieser Richtung machen will. Der war streng mit uns: ›Entweder du kommst pünktlich oder gar nicht.‹ Er hatte auch Recht, es muss ja Verlass sein auf die Leute. Später, während meiner Grundausbildung bei der Bereitschaftspolizei, bin ich nach Potsdam gekommen, wo Kraftfahrer gesucht wurden. Hier bin ich dann 1962 zur Berufsfeuerwehr gegangen.

War die Feuerwehrausbildung in Potsdam?

Nein, in Heyrothsberge bei Magdeburg. Das war die Hauptfeuerwehrschule für die ganze Republik. Während der Ausbildung gab es Unterweisungen in Technik, Taktik usw. Später folgten auch Lehrgänge für den KCB-Schutz. Das war aber nicht nur eine Luftschutzausbildung, denn hier in der Gegend gab’s viele Institute, die mit radioaktivem Material arbeiteten. Wir hatten mal einen Brand in Bornim, nach dem unsere ganzen Sachen verstrahlt waren. Aber es war nur irgendein Isotop mit fünf Tagen Halbwertzeit. Es kam alles zum Abklingen in einen Raum, und dann war das für uns erledigt.

K04_B-03P_Rehpenning_Mar08&27
Der Bau der Feuerwache Potsdam in der Werner-Seelenbinder-Straße 5 dauerte von 1961 bis 1963. Foto: Diethard Rehpenning

Welche Positionen bekleideten Sie im Laufe der Jahre?

Ich war ›normaler‹ Feuerwehrmann. Später bekam ich Rückenprobleme und bin nicht mehr so schnell in die Kombination reingekommen. Die Norm bei der Ausrückezeit waren ja damals 60 Sekunden. Das wurde von der vorgesetzten Stelle, also der Bezirksbehörde Feuerwehr, regelmäßig kontrolliert, mit Stoppuhr. Deshalb war ich ab den 70er Jahren Maschinist. Da fuhr und bediente ich sämtliche Fahrzeuge.

Gab es besonders einschneidende Einsätze?

Wir hatten eine Unmenge Autobahnunfälle, schwere LKW-Unfälle. Da mussten wir sehen, wie wir die Leute rauskriegten. Teilweise mit der Handsäge. Wir haben uns extra Werkzeuge angefertigt. Es war viel Eigeninitiative. Bei einem Unfall haben wir den LKW mit dem Kran auseinandergezogen, dann ist das Seil gerissen. Und ein Krach war das. Zugunfälle gab es auch viele, bei Golm. Da sind öfter mal zwei Züge aufeinandergefahren. Unvorstellbar, wie zertrümmert die dann immer waren … Und der erste große Brand, nachdem wir die Feuerwache in der Seelenbinder-Straße gerade bezogen hatten, war Ende Januar 1964 in der Lindenstraße. Bei dem ist das Unterrichtsgebäude des Lehrerbildungsinstituts, heute Standort der Voltaire-Gesamtschule, fast vollständig ausgebrannt.

Hat sich mit der Wende viel am Dienst verändert?

Ab der Wende gab es drei Wachabteilungen, vorher waren es zwei. Wir hatten früher 24 Stunden Dienst, dann 24 Stunden frei, 24 Stunden Dienst usw. 28 Jahre hatte ich dieses Schichtsystem, bestimmt zwölf Jahre davon war ich nicht zu Hause. Meine Frau hatte es nicht leicht, sie war immer allein mit den Kindern. Dann wurde das Kind vielleicht noch krank, und man hatte ja damals kein Telefon, ein Auto schon gar nicht.

Eine große Umstellung war auch, als kurz nach der Wende der Rettungsdienst von der Feuerwehr übernommen wurde. Wir hatten davon überhaupt keine Ahnung, wir waren für die medizinische Versorgung im Grunde gar nicht ausgebildet. Unsere Aufgabe war immer nur gewesen, die Leute zu bergen, natürlich auch Erste Hilfe zu leisten, aber nicht mehr.

K03-10E_DSC02835
Am Tag der offenen Tür im Jahr 2008 präsentierte man vor der Feuerwache die neuen Einsatzfahrzeuge. Foto: Rainer Pupka

Haben Sie besondere Erinnerungen an die alte Feuerwache?

Wir hatten ein eigenes Kino, mit zwei Filmvorführgeräten. Zwischen zwei Vorstellungen haben wir uns vom ›Thalia‹ die Filmrollen geborgt. Beispielsweise von ›Befreiung‹. Von dem gab’s fünf Teile. Da hat man schon von draußen das Donnern gehört.

Wir wurden auch öfters mal von der gemeinen deutschen Küchenschabe heimgesucht. Dann wurde das ganze Gebäude dicht gemacht und Gas versprüht. In der Zeit haben wir in der Schlauchwäsche geschlafen, oder im Kompressorraum.

Außerdem mussten wir hier nachts Posten stehen, mit Waffe. Schon als der Rohbau stand. Da wurden Kabel eingelagert, und die ganzen Geräte für die Leitstelle, die haben wir bewacht. Nach Einzug in die neue Wache ging das im Ein-Stunden-Rhythmus, dann hat man den nächsten geweckt.

Und an den extremen Winter 1978 erinnere ich mich. Es fiel so viel Schnee, dass wir gar nicht mehr aus der Ausfahrt kamen. Wir haben den ganzen Tag Schnee geschippt, um überhaupt beweglich zu sein.

Unsere Fahrzeuge und Technik haben wir, soweit es uns möglich war, selber repariert und gepflegt, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Die Einsatzbereitschaft war immer das Wichtigste für uns. Darum gebührt allen damaligen Kameraden der alten Wache auch Dank und Anerkennung für ihren nicht immer leichten Dienst.

 

Kommentare sind geschlossen.