IMG_0677Warum hast du gerade in Dänemark als Au Pair gearbeitet und wie lange?
Meine liebe zu Dänemark begann vor fünf oder sechs Jahren. Mit der Schule segelten wir auf vier riesigen Segelbooten um die Färöer Inseln. Trotz Übelkeit und Platzmangels war es eine unvergessliche Zeit. Ich werde auch meinen ersten Schritt auf dänischem Boden nie vergessen. Kieselsteine und eine dänische Flagge in Sicht. Typisch Dänemark. Damals hatte ich außerdem einen Dänen zum Freund. Der nahm mich im folgenden Sommer mit nach Kopenhagen, zu seiner Familie. Seit dem fühlte ich mich mit Dänemark verbunden. Ich habe versucht, jedes Jahr in das ›Land meiner Träume‹ zu kommen. Neben Schule und dank jugendlicher Faulheit ist dieser Plan aber vorerst gescheitert. Frisch aus der Abi-Zeit und noch etwas zielsuchend bot sich mir dann die Chance, einen weiteren Versuch zu wagen. Ich hatte mich bei einem Au Pair-Portal angemeldet, aber von allen Familien Absagen bekommen. Die einzige Familie, die mich dann kontaktierte, war die richtige. Ich lernte sie schon vor meinem Umzug bei einem Besuch im Winter kennen. Von Januar bis Juni lebte ich dann meinen Traum.

IMG_3163Wie hast du dich eingelebt? Wie war die erste Zeit drüben?
Am Anfang war das einzige Problem, eine Bindung zu meinen Au Pair-Kindern aufzubauen. Die sprachen nämlich nur Dänisch und ich kein einziges Wort. Ansonsten kommt man mit Englisch und teilweise sogar mit Deutsch prima klar in Dänemark. Selbst die Großmutter meiner Familie sprach perfektes Englisch. Das liegt sicher auch daran, das Filme im Kino oder TV nicht synchronisiert werden. Perfekt für Touristen und Zugewanderte wie mich, möglichst früh Englisch zu beherrschen, um was zu verstehen. Lediglich Kinderfilme laufen dort auf Dänisch. Wenn aber selbst ›Alice im Wunderland‹ im Original läuft, und neben mir ein 9-jähriger Knirps über die Witze des ›hatter‹ lacht, scheint die dänische Schulbildung nicht umsonst so einen guten Ruf zu haben. Nach einer Weile war ich so weit, dass ich mit meinen Jungs in deren Muttersprache kommunizieren konnte. Sobald man Dänisch kann, gehört man richtig dazu. Und es gibt nichts Entspannteres, als in Dänisch sein überteuertes Bier zu bestellen. Spätestens dann war mir klar, mein Traum wurde wahr.

IMG_3087Was ist für dich das Besondere an Dänemark? Gibt es spezielle Unterschiede zwischen Dänen und Deutschen?
Die Dänen sind ein unglaublich offenes und kreatives Volk. Als Au Pair fiel es mir aber schwer, Freundschaften mit Einheimischen zu knüpfen. Trotzdem traf ich auf einige interessante Menschen. Mein Freundeskreis bestand aus Australiern, Holländern, Brasilianerinnen, Amerikanern und Litauern. Sie kamen aus den unterschiedlichsten Gründen nach Dänemark. Das Speziellste an den Einwohnern Kopenhagens war für mich der Kleidungsstil. So bunt, querbeet und stylish sah ich besonders Jugendliche selten rumlaufen. Von allem anderen abgesehen sind die glücklichsten Menschen der Welt anscheinend auch die freundlichsten. Trotzdem gibt es eine Sache, die mir definitiv an Deutschland gefehlt hat. Draußen essen ist in Dänemark anscheinend eher unüblich. Man sieht selten Lebensmittel in freier Wildbahn. Auch gegrillt wird in Dänemark wesentlich seltener als hier. Ein Picknick im Stadtdschungel war also eher unser ›Au Pair-Ding‹.

Wie sehen die Dänen Deutschland?
Deutschland ist für die Dänen ein Land voller guter Freunde und billigem Alkohol. So sehr die Dänen ihren Nationalstolz ausleben, so sehr lieben sie es, im wesentlich günstigeren Deutschland shoppen zu gehen und besonders Schnaps und Bier zu importieren.

IMG_3001Was findest du an Dänemark besser bzw. schlechter als in Deutschland? Was würdest du jedem Besucher Kopenhagens ans Herz legen?
Als Deutsche waren für mich zwei Sachen besonders überraschend am dänischen Staatssystem. Erstens, jeder Einwohner ist automatisch versichert. Mit der CPR-Nummer bekommst du kostenfreie Bildung und medizinische Versorgung. Ein Vorteil der hohen Steuern. Aber wenn du diese CPR-Nummer in Dänemark nicht hast, existierst du quasi nicht. Du brauchst sie für alles. Sei es, um zum Arzt zu gehen, zu telefonieren oder fürs Online-Banking. Das ist etwas beängstigend, aber nicht zu umgehen. Zweitens, neben der YellowCard, die Trägerkarte für die CPR-Nummer, wird die EC-Karte zu deinem besten Freund, wenn du in Kopenhagen lebst. Bargeld wird unnötig, teils sogar lästig. Lediglich an Garderoben in Nachtclubs bezahlt man seine 30 Kronen bar. Ansonsten werden sogar für Kaugummis oder den billigsten Kaffee der Stadt die Geldkarten gezückt. Den gibt es übrigens in einer kleinen Straße am Rundetaarn, in einem veganen Frozen Yoghurt Shop. Der Rundetaarn ist auch eine echter Touristentipp. Von der Plattform des Turms aus kann man über ganz Kopenhagen sehen. Dort bemerkt man erst, wie bunt und vielfältig diese Stadt doch ist. Nebenan befinden sich der ökologischste Hot Dog-Stand und die studentenfreundlichste Kneipe Kopenhagens. Außerdem sollte jeder die Torvehallerne (fünf Minuten vom Turm entfernt) besuchen. Zwei Hallen voll mit kulinarischen Einzigartigkeiten und typisch dänischem Essen. Ob bei ›Grød‹ einen Haferbrei oder bei ›Lagkagerhuset‹ ein Festtagsbrötchen, besonders Süßes können die Dänen wie niemand sonst. Dagegen finde ich, dass die kleine Meerjungfrau ein Witz ist. Natürlich ist sie ein Wahrzeichen der Stadt und aus dem märchenhaften Kopenhagen nicht wegzudenken. Aber als Tourist kann man sich den Abstecher eigentlich sparen. Lieber kauft man sich ein Buch vom Andersen-Märchen und liest es im idyllischen Garten des Rosenborg Schlosses.

Hat dich dein Aufenthalt in Dänemark verändert?
Ich habe einiges durch meinen Alltag als Au Pair gelernt. Einen 5-Personen-Haushalt zu schmeißen ist nicht ohne, Kinder essen fast nichts, was grün ist; und habe immer, immer Taschentücher dabei. Dänisches Bier ist und bleibt das beste, und auch Kinder essen morgens gern Haferbrei, wenn man ihnen nicht vorlebt, wie widerlich dieses leckere und gesunde Frühstück doch ist. Auch die optischen Eindrücke Dänemarks und die Erlebnisse in Kopenhagen werde ich für immer in Kopf und Herz behalten. Genauso wie meine Familie und Freunde. Blonder bin ich auch. Nur Lakritze, die mag ich immer noch nicht.
Så, farvel og vi ses på københavn!

 

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