IMG_6600
Fotos: Max Almstädt

Ein Dorf am See, eingebettet in Wiesen und Obstgärten, umrahmt von bewaldeten Hügeln – so sehen Paradiese auf Erden aus. Ferch, das nur wenige Kilometer südwestlich von Potsdam an der Südspitze des Schwielowsees liegt, blieb auf Grund mangelhafter Verkehrsverbindungen lange Zeit unentdeckt. Erst 1908 erhielt das Fischerdorf einen Anschluss an die Eisenbahnlinie von Potsdam-Wildpark nach Beelitz; bis zu diesem Zeitpunkt war es nur auf dem Wasserweg zu erreichen. Verwinkelte Gassen, altmodische Backöfen, rohrgedeckte Bauern- und Fischerkaten prägten noch bis Ende der 1920er Jahre das Bild. Doch Ferch war auch in anderer Hinsicht ein Idyll, denn die hiesigen Grundstücke waren recht preiswert. Kein Wunder also, dass es eine Reihe junger Künstler hierher zog. »Manche inzwischen berühmt gewordenen Namen der Literatur und Kunst könnte man nennen, deren Träger, noch gänzlich unbekannt, öfter zum Besuch nach Ferch kamen. Nach des Tages Streben und Mühen saß man dann an lauen Sommerabenden in irgendeinem Garten oder auf der lindenbestandenen Terrasse des Gasthauses beisammen«, so schrieb Richard Muth 1935 in ›Mein altes Ferch‹.
Als Begründer der Havelländischen Malerkolonie gilt der in Werder geborene Karl Hagemeister (1848−1933). Er war der erste Maler, der sich 1877 auf Dauer in Ferch niederließ, denn hier fand er es »ideal zum Landschaften«. Carl Schuch (1846−1903), sein Wiener Malerfreund, hat ihn mehrmals besucht und fand am Schwielowsee eine »Landschaft ohne Nebensächlichkeiten« vor. Alte Fercher Bauernhäuser, den Hohlweg und den Wiesensteg machte er sich als einer der Ersten zum Motiv. Hagemeister lebte später in Entenfang bei Geltow. Er malte Birken, Seerosen, auffliegende Wasservögel und immer wieder den Schwielowsee. Zwar gründete er keine Malschule, doch blieb er bis heute der Havelländische Landschaftsmaler schlechthin. 1914 wurde er zum Königlich Preußischen Professor der Akademie der Künste zu Berlin ernannt.

IMG_6557
Museum der Havelländischen Malerkolonie

Unter den zahlreichen Malern, die sich um 1900 in Neue Scheune ansiedelten, war auch Max Arenz (1868−1936). Der gesellige Bayer kaufte Wassergrundstücke auf und entwarf Atelierhäuser, die er dann an Künstlerkollegen weiterveräußerte. Sein eigenes Landhaus mit Seeblick verkaufte er um 1908 an Arthur Borghard (1880−1958). Es lag nicht weit von der Gastwirtschaft ›Haus Amsee‹ (heute Hotel und Restaurant ›Haus am See‹) entfernt, die Carl Goebel (1868−1936) gehörte. Der Genre- und Porträtmaler etablierte hier eine Pension und Malschule. Unmittelbar vor dem Haus legten an Sommerwochenenden die Dampfer an und brachten hunderte durstiger Ausflügler in den Biergarten, die dann oft von Borghard gezeichnet wurden. Dem Hotelgrundstück gegenüber ist noch der efeuumrankte »Zaubergarten« Hans-Otto Gehrckes (1896–1988) zu erkennen: Eine Holzbrücke, vom Künstler selbst errichtet, verbindet den hochgelegenen Teil des Gartens mit dem Ufergrundstück − oben das kleine Atelierhaus, unten ein paar Pfuhle unter hohen Bäumen. Häuschen, Garten und See haben Gehrcke immer wieder inspiriert.
Neue Scheune und das Dorf Ferch sind durch den schattigen Seeweg miteinander verbunden, der entlang des schilfigen Ufers verläuft und als »Wiesensteig« über ein malerisches Sumpfgebiet führt. Ecke Dorfstraße/Beelitzer Straße hat im letzten erhaltenen Kossätenhaus von Ferch das Museum der Havelländischen Malerkolonie sein Domizil. Bis zum 30. Oktober werden hier Werke der heute so gut wie vergessenen Künstlerin Julie Wolfthorn (1864−1944) gezeigt, die zwischen 1910 und 1919 oft bei ihrer Kusine Olga Hempel zu Gast war. Das Arztehepaar Hempel hatte sich in der Fercher Ringstraße ein Haus gebaut. Julie Wolfthorn malte hier nicht nur die Kinder der Familie, sondern auch Dorf, See und blühende Obstbäume.
Nur wenige Schritte vom Museum entfernt steht auf einem Hügel die denkmalgeschützte Fischerkirche aus dem 17. Jahrhundert. Auf dem Kirchhof befindet sich noch das Grab der Malerfamilie Wacker. Kunst anderer Art kann man in den Sommermonaten auf der »Fercher Obstkistenbühne« erleben, einer Freilicht-Kleinkunstbühne im Innenhof eines alten Bauernhauses. Auch der Japanische Bonsaigarten am Nordrand des Dorfes wird gern besucht.

IMG_6575
Schwielowsee

Museum der Havelländischen Malerkolonie
Beelitzer Straße 1
14548 Schwielowsee OT Ferch
T (033209) 210 25 (während der Öffnungszeiten)
Öffnungszeiten:
Mai−Oktober: Mi−So 11−17 Uhr
November−April: Sa und So 11−17 Uhr sowie nach Vereinbarung

 

Anreise: Mit dem Auto aus Richtung Berlin BAB 10 (Berliner Ring) bis Abfahrt Ferch und weiter dem Straßenverlauf folgen, aus Richtung Potsdam zuerst nach Caputh, dann Landstraße nach Ferch. Mit der Regionalbahn R 23 DB bis zum Bahnhof Caputh/Schwielowsee, von dort Bus 607 in Richtung Ferch. (Dieser Bus fährt auch ab Hauptbahnhof Potsdam nach Ferch.)

 

Kommentare sind geschlossen.