derdunkleflussDer Roman ist das Debüt des talentierten, nigerianischen Nachwuchsschriftstellers Chigozie Obioma, eine Stimme der jungen Generation eines Landes, das auf eine prekäre Geschichte zurückblickt. Mit einer Hommage an Chinua Achebes ›Things Fall Apart‹ erinnert er zu Beginn seiner Erzählung an eine Zeit, in der die Menschen noch fischen gingen, an einem Fluss, der Leben spendete und ihnen heilig war. Doch später meiden sie diesen Ort, weil er unter einem »schlechten Stern« steht, verkörpert durch einen unberechenbaren Aussätzigen, der Unheil voraussagt und die Menschen in die Verzweiflung treibt. Obioma schreibt mythisch und fabulös, literarisch verknüpft er die Tragödie der Familie des 10-jährigen Erzählers Benjamin mit den politischen Ereignissen in Nigeria. Nachdem der erste, frei gewählte Präsident Benjamin N. Azikiwe schon nach drei Jahren aus dem Amt geputscht wurde, folgte eine Diktatur auf die andere, von denen die unter Abache wohl die Brutalste war. ›Der dunkle Fluss‹ ist keine politische Dokumentation, sondern ein dunkles, bilderreiches Märchen, das brisante Themen wie Brudermord oder Lynchjustiz aus Nigerias Werdegang widerspiegelt. Die Redewendung »Wenn alles den Bach runtergeht« beschreibt die Verwicklungen um Ben und seine Brüder, die versuchen, sich nach dem Weggehen des patriarchalischen Vaters zu behaupten. Doch keine Sorge, am Ende keimt ein Hoffnungsschimmer.

 

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