pieter-steinzsinndeslebensSelten ist ein Buch so ergreifend wie ›Der Sinn des Lesens‹ von Pieter Steinz. 2013 wird bei dem niederländischen Journalisten die unheilbare Nervenkrankheit ALS diagnostiziert. Kurz darauf beginnt er, parallel zum stetigen Verfall seines Körpers, ebenso pointierte wie in ihrem sachlich beschreibenden Charakter bewegende Essays über seine Lieblingsliteratur zu verfassen. Diese setzt er dabei immer in Bezug zu den verschiedenen Stadien seines Krankheitsverlaufs. So schildert Steinz die Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, wenn es um Kafkas ›Hungerkünstler‹ geht. Die Beschreibung von Andersens »kleiner Meerjungfrau« verbindet er mit seinem Stimmverlust. Und die absurde Welt in Lewis Carrolls ›Alice im Wunderland‹ vergleicht er mit seiner Situation, eine »eiserne Konstitution« gehabt zu haben und allmählich scheinbar Selbstverständliches wie Atmen und Schlucken nicht mehr richtig zu können. In 52 Kolumnen stellt der Buchliebhaber berühmte Werke und Autoren vor, von Astrid Lindgren und Louis Stevenson über Shakespeare und Seneca bis zu Oscar Wilde und Thomas Mann. Es ist ein sehr emotionales Lese-»vergnügen«, wenn man zwischen der Bewunderung für die Würde Steinz‘ angesichts seines unvermeidlichen Endes und der Fassungslosigkeit über die »Grausamkeit« des Schicksals hin- und herschwankt. Sicher ist die Lektüre nichts für »schwache« Stunden, aber die optimistischen Betrachtungen Steinz‘ schaffen es immer wieder auch, Lebensmut zu wecken.

 

Kommentare sind geschlossen.