Wenn sich das Leben in die späte Phase begibt, kristallisieren sich die entscheidenden Wendepunkte heraus. Da sind Entscheidungen, die getroffen wurden, und Schicksalsschläge, die uns widerfahren sind. Julius Reither glaubt, die turbulente Zeit seines Lebens hinter sich gelassen zu haben und sich nun zurückziehen zu können. Er hat seinen kleinen Verlag aufgegeben und die Stadt verlassen, um in einer anonymen Apartmentsiedlung den Lebensabend zu verbringen. Doch das Schicksal klopft eines späten Abends noch einmal in ein leichtes Sommerkleid gehüllt und mit Riemchensandalen an seine Tür. Leonie Palm begehrt unter fadenscheinigem Vorwand Einlass und verführt Reither zu einer nächtlichen Spritztour, die sich in eine mehrtätige Reise durch Italien verwandelt. Es ist eine Reise, die Reither vor vielen Jahren schon einmal so ähnlich gemacht hat. An seiner Seite damals eine Frau, mit der er leichtfertig eine folgenschwere Entscheidung traf, da das Leben noch so viel bereitzuhalten schien. Nun sind die Optionen begrenzt. Doch gegen ihre zarte Liebe, die jeden Kilometer wächst, können Reither und Leonie nichts tun. Und auch nichts gegen die Entscheidungen, die das Leben längst für sie getroffen hat und ihnen aufzwingt. Dieses Wechselspiel von freiem Handeln und gegebenen Umständen schildert Bodo Kirchhoff scharfsinnig und einfühlsam. In klaren Worten und deutlichen Bildern erzählt er von einer späten, fast möglichen Liebe und schicksalhaften Begegnungen, wie sie im Hier und Heute globaler Migration möglich werden.

 

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