Nadifa Mohamed wurde 1981 im heutigen Somaliland geboren, studierte und lebt heute in London. Ihr zweiter Roman spielt zu Beginn des Bürgerkrieges ’89 in Somalia. Zu der Zeit herrschte in dem Land bereits seit 30 Jahren eine sozialistische Diktatur unter Siad Barre. Den Auftakt der Erzählung gibt eine pompöse, propagandistische Parade in Hargeisa, einer Stadt im Norden. Hier treffen die drei Protagonistinnen das erste Mal aufeinander. Jede Figur bringt ihre eigene Geschichte und Intention mit. Die junge Filsan ist überzeugte Anhängerin Barres und will sich beim Militär profilieren. Die einsame Witwe Kawsar musste hilflos zusehen, wie ihre Tochter starb, und die kleine Dequo wurde allein in einem Flüchtlingslager zurückgelassen und träumt von einer Familie. Die drei geleiten uns durch die Wirren der blutigen Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Aufständischen. Ihre unterschiedlichen Perspektiven bieten eine komplexe Sicht auf die Geschehnisse, die sehr berührend sind. Am Ende gehen sie eine Art Überlebensbündnis ein und suchen Schutz im nächstgelegenen Flüchtlingslager. Hier lassen sie ihre alte Identität hinter sich, und das Mädchen hat eine eigentümliche Familie gefunden. Nach Barres Sturz 1991 kam es in Somalia zur Abspaltung des Nordens (Somaliland), während im Süden die bisher endlosen Clankriege begannen.

 

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