Der kongolesische Autor kann durchaus als Free-Jazzer der Literatur bezeichnet werden. Zu Recht fällt im Zusammenhang mit seinem Debütroman der Name des legendären Musikers John Coltrane. Sein Text ist bedeutungsgeladen bis ins Detail, seine Schreibweise bewegt sich links und rechts von der Linie und hat einen gewissen Rhythmus inne. Im Zentrum steht der alles bezeichnende Nordbahnhof eines imaginären Ortes namens Stadt-Land. Als angesagtester Treffpunkt dort gilt das »Tram 83«, ein zwielichtiges Nachtlokal, in dem alles zusammen trifft. Mujilas Protagonisten sind die zwei ungleichen Freunde Lucien, ein überzeugter Schriftsteller, und Requiem, ein skrupelloser Draufgänger. Mit schroffer Klarheit und roher Wortwahl führt uns der Autor durch eine Welt, deren Akteure Grubenarbeiter, ewig streikende Studenten, die Schrecklichen, Single-Mamis, sogenannte Touristen, verführerische »Küken«, Kindersoldaten und ein abtrünniger General sind. Aus der Wahl seiner charakteristischen Figuren und Ereignisse erschließt sich eine beißende Satire über die heutige Republik Kongo, ein »Tummelbecken« von In- und Ausländern aller Art, die am Nabel des Rohstoffreichtums hängen. Im Roman gibt die Musik den Ton an und Mujilas eigenwilliger Humor. Als Lucien sein Bühnenstück veröffentlicht, gerät der alltägliche Wahnsinn kurz ins Wanken, doch schon bald ist wieder alles beim Alten.

 

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