PYTHAGORAER von Danai Moshona

Türen – jeden Tag sehen und benutzen wir sie, und trotzdem sind sie eine Randerscheinung in unserem Alltag. Obwohl Türen materialästhetisch allen Kriterien unterliegen, die auch im Möbelbereich gelten, werden sie nicht als Möbel wahrgenommen. Dabei sind die allgegenwärtigen »Bretter« Raummöbel, die im Dialog zu vorhandenen Möbeln stehen.
Aus diesem Grund beschäftigte sich ein interdisziplinäres Projekt zwischen Studierenden des Studiengangs Produktdesign der Fachhochschule Potsdam und Bachelor-Studierenden der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde aus dem Fachbereich Holzingenieurwesen mit dem »Durchgangsphänomen«. Unter der Leitung von Hermann Weizenegger, Professor für Produktdesign an der FH Potsdam, wurden neun zeitgemäße Türentwürfe entwickelt. Dabei spielten neben inhaltlichen und ästhetischen Überlegungen auch ökologische, soziale, ökonomische und kulturelle Aspekte eine Rolle.
Etwa bei der »vertical garden Door« ›Fata Morgana‹. Inspiriert wurde dieser Türentwurf vom Durchbrechen des harten Wüstenbodens durch Sukku­lenten. Darum wird hierbei das Normbild herkömmlicher Türen aufgebrochen und mit neuem Leben gefüllt. Ausgangsformat ist eine ausgediente Standardtür, die dekonstruiert wird. Die Muster werden heraus ge­fräst und Formteile aus recyceltem Kunststoff und carbonisiertem Bambus als Boxen eingesetzt. Wegen ihrer Anmut und Genügsam­keit sind die Boxen mit einem Sukkulenten-Mix aus Cactus Soil und Loisianna Moos begrünt. Zimmerpflanzen verbessern die Luftqualität, absorbieren Schadstoffe, wirken als Schalldämpfer und machen den Menschen vor allem glücklicher. Upcycling, Nachhaltigkeit und res­sourcenschonende Produktion werden hier zum ökologischen Leitmotiv eines verbesserten Wohn- und Lebensgefühls.
Neue Wege geht auch der Entwurf ›Xylo‹ für eine perkussiv kommunizierende Tür. Sie stellt eine poetische Annäherung an das Objekt Tür und an die Räume dar, die sie verbindet: Die Distanz und Leere zwischen zwei Räumen soll durch den Klang atmosphärisch aufgefüllt werden und somit die Grenze der Dimensionen aufheben. Darum besteht das Türblatt wie bei einem Xylophon aus einer Reihe von rechteckigen, hölzernen Klangteilen, deren unterschiedliche Längen die jeweilige Tonhöhe bestimmen. Der in der Türklinke eingelassene Klangstab lädt den Besucher vor Eintritt des Raumes dazu ein, Stimmung oder Anliegen durch Wiedergabe perkussiver Töne oder den Aufbau eines eigenen Rhythmuses aktiv-spielerisch anzukündigen.
Die kreativen Entwürfe für diese und weitere Türen gehen unter Federführung von Klaus Dreiner, Professor für Holzingenieurwesen an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, nun in Serienproduktion.

 

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