Alte Dorfkirche in Golm

Wer, wie sein Fahrrad, nach der kalten Jahreszeit ein wenig eingerostet ist und wer es eher beschaulich und grün mag, dem sei eine Radtour durch die westlichen Ortsteile von Potsdam empfohlen. Die Besichtigung einiger sehr schöner Dorfkirchen gibt dem Ausflug überdies noch einen leicht frommen Anstrich – nicht ganz unpassend zur Osterzeit.
Startpunkt der gut 20 km langen Tour ist das Neue Palais in Potsdam. Von hier geht es auf der Lindenallee vorbei an blühenden Feldern nach Golm. Der Name bedeutet seinem slawischen Ursprung nach »Hügel« und verweist auf den Golmer Reiherberg. Wer der alten Dorfstraße folgt, trifft an seinem Fuß auf eine Besonderheit: zwei direkt beieinander stehende Kirchen. Den Golmern gelang es nämlich in den 1880er Jahren, den Kronprinzen Friedrich Wilhelm zum Kirchneubau zu bewegen. Die alte (heute leider restaurierungsbedürftige) Dorfkirche ließen sie als Beerdigungskapelle stehen.

Golmer Luch und Kaiser-Friedrich-Kirche

Von der dortigen »Storchenbank« lässt sich mit ein bisschen Glück der gerade wiedergekehrte Meister Adebar in seinem Nest beobachten. Und wer den Aufstieg auf den 68 m hohen Reiherberg unternimmt, wird mit einem herrlichen Blick bis nach Werder und über das Golmer Luch belohnt. Durch diesen pflanzen- und vogelreichen Teil des Landschaftsschutzgebiets Potsdamer Wald- und Havelseengebiet führt nun der Golmer Damm. Entlang des Großen Zernsees und der Wublitz erreicht man Nattwerder.
Hier stellt sich sofort »Bullerbü-Feeling« ein, denn die kleine reizvolle Gemeinde besteht nur aus einigen Häusern und Höfen und – natürlich – einer Dorfkirche. Die Dachfahne mit der Jahresinschrift 1685 erinnert aber nicht, wie man meinen könnte, an die Weihung der Kirche – die war erst 1690 –, sondern an die Ankunft der Schweizer Kolonisten. Da Brandenburg infolge des Dreißigjährigen Krieges noch immer stark entvölkert war, hatte der Große Kurfürst in Bern um Einwanderer geworben, die die moorige Landschaft kultivieren sollten. Und noch heute finden sich auf manchen Klingelschildern in den Ortschaften um das Golmer Luch die Namen der Schweizer Familien.

Dorfkirche in Grube

Vom »nassen Werder« gelangt man weiter nach Grube, das einen gänzlich unaufgeregten Charakter hat und nur aus Einfamilienhäusern zu bestehen scheint. Etwas versteckt zwischen diesen steht die Dorfkirche mit ihrem schön geschwungenen Turmdach. Inmitten von Wiesen und Feldern führt der (an manchen Stellen etwas rumpelige) Weg weiter nach Schlänitzsee. Am gleichnamigen Gewässer gelegen versprüht es fast den behaglichen Charme eines Urlaubsortes. Die obligatorische Dorfkirche gibt es hier gar nicht. So kann man den lieben Gott einen guten Mann sein lassen und zurückgelehnt den Booten beim Treiben zuschauen.
Den Weg zurück nach Potsdam findet man entlang des Sacrow-Paretz-Kanals und weiter auf dem Radweg an der B273 durch Bornim – dort gibt es auch wieder eine schmucke Dorfkirche.

 

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