Entwurf von Christian Heinrich Ziller für den Wiederaufbau der Nikolaikirche auf dem Standort Bassinplatz

Potsdam ist vor allem als barocke und klassizistische Residenzstadt bekannt. Nicht weniger interessant ist allerdings die Geschichte der hiesigen Gotteshäuser. Der Potsdamer Bauingenieur Andreas Kitschke rekonstruiert in seinem jüngst erschienenen Buch Planung und Bau von siebenundsiebzig »Kirchen der Potsdamer Kulturlandschaft«. So ist zu erfahren, dass Potsdam bereits im Mittelalter drei Kirchen besaß. »Es gab eine Pfarrkirche, wo sich heute die Nikolaikirche befindet«, erzählt Kitschke. »In der Henning-von-Tresckow-Straße, früher Priesterstraße, stand die Gertrudenkapelle mit Gertrudenhospital, eine Art Pflegeeinrichtung für ältere Herrschaften. Die dritte, sehr kleine Kirche war die Annenkapelle, die sich wahrscheinlich nahe der heutigen Kreuzung Behlert-, Ecke Hebbelstraße befand.« Dort habe man in den 1930er Jahren beim Hausbau ein Fundament mit Apsis entdeckt, was auf eine Kapelle schließen lasse. Was die Potsdamer Kirchenlandschaft besonders macht, ist Kitschke zufolge, dass keine mittelalterlichen Gebäude mehr vorhanden sind. »Da gibt es bedeutendere Städte wie Brandenburg an der Havel, wo noch gotische und romanische Kirchenbauten zu finden sind.« Prägend für die Gegend hier war im 19. Jahrhundert vor allem König Friedrich Wilhlem IV., der teilweise selbst Kirchen entwarf. »Des Öfteren musste der zuständige Baubeamte seine eigenen Entwürfe wegschmeißen, weil Seine Majestät meinte, es müsse ein großer Architekt wie Schinkel oder Persius ran.« Beispiele für den Einfallsreichtum des Königs sind die englisch anmutende Kirche am Stölpchensee, die Kirche am Neuendorfer Anger in Babelsberg, die einem gotischen Baptisterium ähnelt, und die domartige Heilig-Geist-Kirche in Werder (Havel).
Spannend sind auch die Kirchensprengungen. Es werden nicht nur Potsdamer Garnison- und Heilig-Geist-Kirche erwähnt, sondern auch die Babelsberger Bethlehemkirche oder die Anstaltskirche in der Heinrich-Mann-Allee. Letztere gehörte zur dortigen Landesanstalt für Behinderte und Epileptiker und wurde 1985 abgerissen.
Bereits 1983 veröffentlichte Andreas Kitschke sein erstes Buch über Kirchen. Anlass für die jetztige Neuauflage waren sich über die Jahre ansammelnde neue Erkenntnisse, die er während regelmäßiger Archivbesuche gewonnen hat. »Außerdem passte das ganz gut zum Potsdamer Themenjahr ›Stadt trifft Kirche‹.« Das Ergebnis ist Wissenschaftlern und Laien gleichermaßen zu empfehlen.

Andreas Kitschke:
Die Kirchen der Potsdamer Kulturlandschaft
Lukas Verlag, 320 S.
ISBN: 978-3-86732-248-5
29.80 €

 

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