Es gibt nicht wirklich viele Künstler, denen ich uneingeschränkt so viel Respekt zollen kann und die mich immer und immer wieder, über Jahre hinweg, derart mit ihrem Schaffen beeindrucken. Und noch einmal eine ganze Stufe beeindruckender ist ›One More Time With Feeling‹, ein Dokumentar-Film, der sich eigentlich um die Entstehung und die Aufnahme des aktuellen Nick Cave-Albums ›Skeleton Tree‹ dreht.
Hintergründig vordergründig geht es aber um die Verarbeitung des Todes des kurz zuvor gestorbenen 15-jährigen Sohnes von Nick Cave. Der Film steht also im Kontext, wie man das Leben »danach« und »ohne« sein Kind meistern kann beziehungsweise meistern muss. Es geht um Trauer, um den Umgang und die emotionale Verarbeitung eines großen (wenn nicht des größten) menschlichen Verlustes. Natürlich ist die Musik von Herrn Cave schon immer sehr düster und melancholisch veranlagt, aber hier verbindet sich die Dunkelheit und Tiefe der menschlichen Existenz mit der gelebten Realität. Hier geht es nicht (nur) um fiktive Kunst, dies ist das tatsächlich wahre Leben. Das zu Ton und Bild gewordene wahre Leben. Dieser Film ist mit seiner beeindruckenden Bildsprache nicht nur großartig gemacht, er erzeugt durch seinen Realismus und Intimität eine Dringlichkeit, eine Empathie und Faszination die den geneigten Zuschauer förmlich in den Film hineinsaugt.

 

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