Ein letztes Mal das Meer sehen oder den Tag mit der Familie im heimischen Obstgarten verbringen zu wollen, sind eigentlich sehr bescheidene Anliegen. Von schwer kranken Menschen, die sich in der letzten Phase ihres Lebens befinden, können sie jedoch oft kaum mehr realisiert werden. Der Wünschewagen des Arbeiter-Samariterbundes erfüllt seinen Fahrgästen diese letzten Wünsche und bringt sie an einen Ort ihrer Wahl. Seit September 2016 gibt es den Wagen auch in Brandenburg. Ziel des Projektes ist es, die letzten Momente der Betroffenen so schön und angenehm wie möglich zu gestalten. Zwölf Fahrten hat das Brandenburger ASB-Team bisher verwirklicht, es ging unter anderem in den Frankenwald und den Berliner Tierpark. »Auf der Fahrt sind die Leute nicht traurig, eher in freudiger Erwartung. Die ganze Familie ist dabei, es herrscht eine angenehme Stimmung und alle versuchen den Tag zu etwas Besonderem zu machen«, erklärt Cindy Schönknecht, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim ASB-Landesverband Brandenburg. Rund 80 Mitarbeiter, oft aus medizinischen oder sozialen Bereichen, zählen zum ehrenamtlichen Boardpersonal, aber auch Nicht-Fachkräfte sind immer willkommen. »Unterstützen kann man uns, in dem man Teil des Teams wird oder Geld spendet, denn die Fahrten sind kostenlos – Glück kann man nicht kaufen«, so Schönknecht. Der Wünschewagen wurde mit den neuesten medizinischen Standards ausgestattet, außerdem hat er eine Panoramaverglasung und sogar einen künstlichen Sternenhimmel. Per Mail oder Telefon können sich die Menschen an den ASB wenden und bei einem persönlichen Besuch alle Details besprechen. Oft bleibt dafür allerdings nicht viel Zeit. »Die Fahrten lassen sich nicht langfristig planen, die Leute haben vielleicht nur noch Tage, Wochen oder höchstens Monate.«
Im Frühjahr hat der Kultursender ARTE zwei Fahrten des Brandenburger Wünschewagens begleitet. Das neue Reportageformat ARTE Re: will die Geschichten erzählen, die hinter den Schlagzeilen stecken, Geschichten, die berühren und nah am Menschen sind. Indirekt ist es auch eine Reaktion auf derzeitige Phänomene wie alternative Fakten und Fake News. Das »Re:« steht unter anderem für Relevanz und Reaktionsfähigkeit. Relevant ist das Thema »Sterben« in jedem Fall, das sehen die Betroffenen selbst so, die ihr Einverständnis für Foto- und Kameraaufnahmen gern geben. Auch Cindy Schönknecht freut sich über die mediale Unterstützung: »Wir wollen den Wünschewagen bis in die letzte Ecke Brandenburgs bekannt machen und hoffen, dass der Beitrag auf ARTE das Thema noch weiter in die Welt trägt und dort Nachahmer findet.« Sendetermin ist der 8. Juni um 19.40 Uhr.

wuenschewagen.com/brandenburg
Andreas Kitschke:
Die Kirchen der Potsdamer Kulturlandschaft
Lukas Verlag, 320 S.
ISBN: 978-3-86732-248-5
29.80 €

 

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