Wie sich Angler fühlen, wenn sie ihrem Hobby frönen, beschreibt eine Anekdote aus Armin Göllners Buch ›Von Fischern und Anglern‹. Dort antwortet der tschechische Erzähler Ota Pavel auf die Frage, was das Schönste in seinem Leben sei, Folgendes: »Als ich einmal darüber nachdachte, dachte ich nicht an die Liebe, nicht an nächtliche Flüge über Ozeane und auch nicht daran, wie ich Eishockey im Prager Sparta-Klub gespielt hatte. Ich ging wieder zu den Fischen an Bäche, Teiche, Talsperren und erkannte, dass das, was ich dort erlebte, das Schönste auf der Welt war.«
Obwohl Angler bei Nichtanglern oft in dem Ruf stehen, langweilig oder sogar spleenig zu sein, ist in Wahrheit das Gegenteil der Fall: Angler sind enthusiastisch und begeisterungsfähig in ihrem Hobby. Und: Wer angeln geht, tut dies im Einklang mit der Natur. Wer einmal einen Fisch gefangen hat, kennt die Achtung vor der Kreatur.
Vom Reiz des Angelns kann man sich gerade in Brandenburg überzeugen. Orte entlang der Havel wie Werder, Brandenburg und Rathenow stehen in der Tradition der Havelfischer und zeugen bis heute von diesem Handwerk. Während Berufsfischer in unseren Tagen allerdings oft kaum noch von ihrem Fang leben können, wirft der Angler seine Rute aus, um sich zu erholen und Entspannung in der Natur zu finden. Denn Angeln ist mehr, als Fische aus dem Wasser zu ziehen. Zappelt dann aber auch noch ein großer Fisch am Haken, ist das natürlich umso erfreulicher.
Viele waren als Knirpse sicher schon mal mit Opa oder Papa angeln – nur ausgerüstet mit Bambusangel, Pose, Angelschnur, Haken. Den Köder hatte man oft zu Hause selbst gebastelt. Das kommt dem ursprünglichen Angeln zwar sehr nahe, ist aber heutzutage nicht mehr nötig: Inzwischen gibt es Tausende verschiedener Angelprodukte zu kaufen, von der Angel über die Rolle bis hin zum Köder. Allein die Auswahl an Kunstködern für das Raubfischangeln ist riesig.
Fragt man einen langjährigen Angler, der sich aufs Karpfenangeln, Hechtangeln oder aufs Fliegenfischen spezialisiert hat, ob es eine Allroundausrüstung gibt, wird die Antwort ganz klar »Nein« lauten. Aber keine Sorge, man muss sich nun nicht gleich jeweils eine Angel zum Karpfenangeln, zum Hechtangeln und für Forellen zulegen. Auch die Profis haben mal klein angefangen, und auch ihre erste Angel war sicher eine für alle Fische.

Foto: Jürgen Erdmann

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Friedfischangeln, Raubfischangeln, Fliegenfischen in Süßgewässern und Meeresangeln. In allen Fällen benötigt man zunächst eine Angel, eine Rolle, Schnur und die gewünschte »Montage«. Sie kann beim Friedfischangeln aus einer Pose (Schwimmer) mit Blei oder aus einem Grundblei bestehen. Letzteres dient – wie der Name schon sagt – dem Fangen auf dem Grund des Gewässers. Hinzu kommt ein Haken und der Köder. Typische Friedfischköder sind Wurm, Teig, Mais oder Made. Beim Raubfischangeln beziehungsweise Fliegenfischen bestehen die Montagen aus Kunstködern wie Gummifischen oder gebundenen Fliegen (Nymphen). Beim Meeresangeln ist dann schon stabileres Material gefragt.
Was das Süßwasserangeln betrifft, lässt sich im Land Brandenburg so ziemlich jede bekannte Fischart fangen. Im Heiligen See in Potsdam beispielsweise schwimmen kapitale Hechte, Welse und Karpfen. Obwohl sie nicht gefährlich sind, dürfte mancher Badende erschrecken, wenn er wüsste, was für große Exemplare sich unter ihm im Wasser tummeln. In den Havelseen ist überhaupt von Aal bis Zander alles an bekannten hiesigen Süßwasserfischen anzutreffen. Die Dosse und die Stepenitz im Norden Brandenburgs, aber auch die Nuthe sind dagegen gute Forellengewässer, die sich mit der Fliege beangeln lassen. Sogar Lachs, Stör und Meerforelle, seit vielen Jahren ausgestorbene, einstmals einheimische Fischarten, werden wieder in unseren Gewässern »eingebürgert«.
In Brandenburg ist das Angeln auf Friedfisch ab einem Alter von acht Jahren ohne Fischereischein möglich. Nur für das Angeln auf Raubfisch ist eine »Lizenz zum Fischen« erforderlich. Sie wird nach erfolgreichem Ablegen einer Prüfung ausgestellt. Ansonsten braucht es nichts weiter als eine Angelkarte für das Gewässer, auf dem man angeln möchte. Die gibt es in allen Angelläden zu kaufen. Außerdem ist eine »Fischereiabgabe« für das Jahr zu entrichten, die aber im Kauf der Angelkarte enthalten ist.
Wer einmal »angebissen« und mit dem Angeln angefangen hat, kann sich der Faszination dieses Hobbys immer weniger entziehen. Gerade der Rückzug in die Natur macht in immer hektischer werdenden Zeiten den großen Reiz des Angelns aus. Es geht nicht nur um den Fisch, sondern um sämtliche Natureindrücke, die man beim Angeln erlebt. Die Schönheit der Natur wiederzuentdecken, macht das Angeln zu einem der letzten großen Abenteuer unserer Zivilisation.

 

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