Als Leistungsschwimmerin wurde Franziska van Almsick mehrfache Welt- und Europameisterin. Obwohl sie Badekappe und Schwimmbrille vor vielen Jahren an den Nagel gehängt hat, engagiert sie sich weiterhin für das Schwimmen: beim Nachwuchs. Mit ihrem Verein Schwimmkids e. V. möchte sie mehr Schulkindern ermöglichen, schwimmen zu lernen. friedrich sprach darüber mit ihr.

Frau van Almsick, Ertrinken ist heute die zweithäufigste Todesursache bei Kindern. Dagegen wollen Sie mit dem Verein Schwimmkids e. V. vorgehen. Was genau tun Sie, wie setzt der Verein seine Ziel in die Tat um?
Es ertrinken immer noch viel zu viele Kinder, weil sie nicht richtig oder gar nicht schwimmen können. Mein Verein Franziska van Almsick Schwimmkids e. V. unterstützt seit fast zehn Jahren den Schwimmunterricht an den Grundschulen und trägt dazu bei, dass die Kinder einen sicheren Umgang mit Wasser bekommen und richtig schwimmen lernen. So finanzieren wir die Verwaltungskosten und stellen den Lehrern geschulte Lehrassistenten zur Seite. Dadurch werden die Gruppen kleiner und der Unterricht intensiver. Am Ende der Grundschulzeit sollen die Kinder mindestens eine Schwimmart sauber beherrschen, denn wer nicht sicher schwimmen kann, läuft potenziell Gefahr zu ertrinken.

Jeder zweite Drittklässler kann nicht schwimmen. Grund dafür ist, dass viele deutsche Schulen keine Möglichkeit haben, Schwimmunterrricht stattfinden zu lassen. Woran liegt das? Gibt es zu wenig Schwimmhallen oder sind die finanziellen Mittel der Schulen zu knapp?
Das sind alarmierende Zahlen, denen man unbedingt entgegenwirken muss. Und wenn der Schwimmunterricht schon erst ab der dritten Klasse beginnt, dann aber noch oft ausfällt oder gar nicht erst stattfindet, besteht unbedingter Handlungsbedarf. Hier sehe ich auch die Politik in der Verantwortung, sonst steigt die Zahl derer, die verunglücken, stetig an. Das kann keine Option sein. Meiner Meinung nach sollten Kinder bereits ab der ersten Klasse qualifizierten Schwimmunterricht erhalten. Man muss richtig atmen, die Arme anders bewegen als die Beine und dann noch sehen, wo man ist, damit man nicht gegen den Beckenrand schwimmt. Ab einem Alter von ungefähr fünf Jahren ist ein Kind in der Lage, schwimmen zu lernen.

Die Gründung der Schwimmkids geht auf ein Pilotprojekt von Ihnen mit der Stadt Heidelberg zurück. Was war der konkrete Anlass für das Projekt?
Schwimmen war zwanzig Jahre lang mein Leben, und ich wollte mich schon immer dafür einsetzen, dass so viele Kinder wie möglich, sicher schwimmen können. Und damit haben wir dann vor fast zehn Jahren in Heidelberg, wo ich lebe, angefangen. Mittlerweile sind wir in fünfzehn Städten in Deutschland vertreten – und es kommen immer weitere dazu.

Wie kann ich aus meinem Kind ein ›Schwimmkid‹ machen? Ist es egal, wo in Deutschland ich wohne?
Wir unterstützen primär den Schwimmunterricht der dritten und vierten Klasse. Alle Eltern, die daran Interesse haben, können die Lehrer ihrer Kinder darauf ansprechen oder sich über unsere Webseite www.fanziska-van-almsick-schwimmkids.de informieren und Infomaterial anfordern. Seit Beginn haben schon über 6500 Kinder mit uns schwimmen gelernt. Wir haben noch Großes vor und wir freuen uns über jedes weitere Kind, das sicher schwimmen kann. Es ist dabei völlig gleichgültig, wo man in Deutschland wohnt.

Auf welche Weise kann man die Schwimmkids unterstützen?
Wir wollen so vielen Kindern wie nur möglich, das sichere Schwimmen beibringen und freuen uns darum über jede Spende. Auch Unternehmen können uns unterstützen, in dem sie eine Patenschaft für ihre jeweilige Stadt übernehmen.

Wie war das bei Ihnen? In welchem Alter haben Sie Schwimmen gelernt?
Für mich war es Liebe auf den ersten Blick. Ich bin als Fünfjährige ins Wasser gesprungen und habe gedacht: ›Das will ich machen, das muss ich machen, das ist mein Element.‹ Ab dem Zeitpunkt bin ich geschwommen.

Sie haben zahlreiche Wettkämpfe und Medaillen gewonnen und sind 2004 als Leistungssportlerin zurückgetreten. Wenn Sie heute ins Wasser steigen, wo schwimmen Sie dann lieber – in einer Schwimmhalle oder in der Natur?
Wenn ich heute schwimmen gehe, dann gehe ich mit meinen Kindern ins Schwimmbad oder auch mal gerne ins Meer.

Als gebürtige Berlinerin waren Sie bestimmt auch schon in Potsdam. Sind Sie hier schon einmal geschwommen – zum Beispiel in der alten DDR-Schwimmhalle auf dem Brauhausberg, die demnächst abgerissen werden soll, oder im Heiligen See?
Ja, das ist aber schon eine ganze Weile her.

 

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