›Spirit‹, das neue Album von Depeche Mode, wurde als politisches Werk angekündigt. In großen Hymnen und Lettern konnte man dort Phrasen über den Zustand der Welt hören, die zwar gut klangen, aber ähnlich wie der seit Jahrzehnten festgezurrte Sound der Briten nicht besonders tiefgehend sind. Dennoch, live reihten sich ›Where’s the revolution‹ und ›Going Backwards‹ gut in den Backkatalog der Hits ein. Vorband der aktuellen Tour waren bei einigen Auftritten Algiers. Auch diese haben ein neues Werk, auch dieses ist politisch, aber im Gegensatz zu ›Spirit‹ ist ›The Underside Of Power‹ eine Offenbarung. Algiers orientieren sich lose am Sound der 1980er Jahre, begeben sich bisweilen in Bereiche des Synthpop, bedienen aber ansonsten den kalten Industrialsound, den Berlin und trostlose englische Großstädte zu dieser Zeit ausgestrahlt haben. Mit der Kompromisslosigkeit des frühen Nick Cave, der Einstürzenden Neubauten oder dem depressiven Touch der frühen The Cure ist dieses Werk noch am ehesten zu vergleichen. Sänger Franklin James Fisher verbindet diese Rohheit mit einem Gesang, der konkurrenzlos erscheint und bis in den Gospel hineinreicht. Er erzeugt so eine Stimmung, die predigend ist, anklagend, in wenigen Momenten aber auch Hoffnung verspricht – genau so, wie es dieses Zeiten erfordern.

 

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