Fotos: Gerrit Hartmann-Engel

Sie wurde 1924 am Potsdamer Platz aufgestellt: die erste Ampel Berlins. Sie gab immer nur den Autos einer einzigen Richtung Grün, sodass diese dann überall hin fahren durften.
Seit Einführung der ersten Ampel hat sich verkehrstechnisch einiges im Stadtbild getan, nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch »nebenan« in Potsdam. Dort ist der Bereich Verkehr und Technik der Stadtverwaltung Potsdam für die Verkehrssteuerung zuständig. Er plant, baut und bedient aber nicht nur sämtliche Ampeln, sondern ist auch für die Beschilderung des Stadtgebiets verantwortlich. Des Weiteren gehört der Betrieb der 156 Parkautomaten zu den Aufgaben der Behörde. Die Höhe der Gebühren richtet sich nach politischen Vorgaben. »Gebühren sind ein Mittel zur Verkehrssteuerung«, erklärt Reik Becker, Bereichsleiter Verkehr und Technik. »Die Politik möchte, dass möglichst viele Autofahrer in Parkhäusern parken, damit in der Innenstadt weniger Betrieb herrscht. Wir als Behörde machen Vorschläge, wie man das erreichen kann.« Ein weiterer großer Bereich ist die Stadtbeleuchtung. »Wir planen, wo in Potsdam ›Lichtpunkte‹ gebraucht werden«, so Becker. Derzeit gibt es davon insgesamt 16.700.
Bei der Verkehrsregelung ist die Technologie in den letzten Jahren komplexer geworden. Es gibt heute mehr Möglichkeiten zur Fahrzeugerfassung. »Autos werden mit Induktionsschleifen in der Fahrbahn, zusätzlich mit Infrarot- und Radardetektoren erfasst«, erklärt Becker. »Bus und Bahn werden mit GPS geortet, für Fahrräder verwenden wir Wärmebildkameras.« Dank besserer Technologie und der größeren Erfassung ist die Verkehrssicherheit gestiegen. »Früher gab es mehr Ausfälle, denn die Anlagen konnten leichter kaputt gemacht werden.«
1997 wurde zudem der Verkehrsrechner in Betrieb genommen, durch den erstmals alle Ampeln zentral gesteuert werden können. Dadurch lässt sich die Stadt in Bereiche aufteilen, in denen die jeweils optimale Steuerstrategie greift. Eine Herausforderung ist dabei die Schaffung grüner Wellen, also einer Ampelschaltung, durch die ein Autofahrer bei einer bestimmten Geschwindigkeit immer auf grüne Ampeln trifft. »Die Stadt ist in grüne Wellen aufgeteilt, etwa in der Hegelallee oder in der Breiten Straße. Bei einem Straßensättigungsgrad von bis zu 80 Prozent funktioniert das auch noch, aber in der Rush Hour klappt es nicht mehr.«
Parallel zur technischen Komplexität wachsen auch die Herausforderungen bei der Verkehrsregelung. »Wir müssen einerseits immer mehr optimieren, andererseits dürfen wir das politische Ziel nicht vergessen: die Förderung des Umweltverbundes«, so Becker. Sie ist Grundlage aller Steuerungsstrategien und sieht vor, dass Fußgänger und Radfahrer bevorzugt werden und der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) unbehindert durch die Stadt kommt. »Das ist nicht leicht, denn die Kapazität der Straßen ist begrenzt, aber im Sinne einer besseren Lebensqualität muss gewährleistet sein, dass möglichst wenig Autos herumfahren und die Luft wenig durch Schadstoff belastet ist.«
Spannend wird es verkehrstechnisch auch in Zukunft, denn mit den zunehmenden technischen Möglichkeiten werden Fahrzeuge und Ampeln vermehrt autonom miteinander kommunizieren. »Interessant ist dann, wie genau die Kommunikation funktioniert und welche Möglichkeiten der Fahrer hat, welche Verkehrsinfos er braucht und wie viele«, sagt Reik Becker. »Denn manchmal ist es wünschenswert, dass der Fahrer weiß, wann er Grün bekommt.«

Die Tätigkeit im Bereich Verkehr führt über ein Studium zum Bauingenieur, speziell in der Fachrichtung Verkehr. Vonnöten sind Kenntnisse in der Datenverarbeitung, der Informatik und ein technisches Grundverständnis.
 

Nähere Infos zur Grünen Welle unter
www.mobil-potsdam.de/verkehrstechnik/

 

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