Er ist sicher einer der innovativsten und zugleich umstrittensten deutschen Komponisten überhaupt: Richard Wagner. In seiner umfänglichen, bei Blessing erschienenen Biografie zeichnet der studierte Musikwissenschaftler Ulrich Drüner anschaulich das abenteuerliche Leben des Künstlers nach. Darin begleitet der Leser Wagner auf seinen Umzügen und Reisen in zahlreiche Städte Europas wie Riga, Paris und Zürich, auf seiner Flucht vor Gläubigern, während seiner Beteiligung am Dresdner Maiaufstand. Man lernt die Verschwendungssucht des Musikers kennen, die schwierige Beziehung zu seiner ersten Ehefrau Minna. Gleichzeitig erlebt man die ersten musikalischen Gehversuche des Komponisten, die noch nicht auf ein besonderes Talent schließen ließen, bis zur Entfaltung des »zum Genie gereiften« Künstlers.
Eines der dunkelsten Kapitel in Wagners Biografie sind zweifellos seine antisemitischen Ausfälle. Wagner stilisierte nicht nur jüdische Komponisten wie Giacomo Meyerbeer, die ihn in seinen Anfangsjahren tatkräftig unterstützt hatten, nachträglich zu seinen Neidern, um einen Mythos um sich zu inszenieren. Vielmehr brauchte er den Antisemitismus, um seine Kreativität in Gang setzen zu können.
Am Ende der Lektüre von Drüners Buch ist einem der Mensch Richard Wagner sicher nicht sympathischer geworden, eher das Gegenteil ist der Fall. Aber man bekommt auf jeden Fall Lust, sich dessen Werke mit dem neu gewonnenen Wissen nochmals anzuhören.

 

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