Theater des Westens

Kaum eine Straße steht so sinnbildlich für Berlin wie die Kantstraße. Dort prallen die Gegensätze aufeinander. Die Berliner Autorin Birgit Jochens kennt die Straße wie ihre Westentasche. Auch sie war fasziniert von ihren vielen Facetten: Theaterviertel, Schriftstellerdomizil, sozialer Brennpunkt, »Chinatown«, Rotlichtmilieu und Designmeile. Jochens begann, sich mit der Geschichte dieser besonderen Straße zu beschäftigen. »Ich habe in den letzten Jahren festgestellt, dass sich das Image der Kantstraße deutlich verändert hat, dass die Kantstraße an ›Coolness-Punkten‹ gewinnt«, so die Historikerin. »Ich dachte mir, wenn diese Straße für alles Neue aufgeschlossen ist – gibt’s da eigentlich auch Geschichte?« Und die gab es in der Tat. Die Charlottenburg-Kennerin recherchierte in historischen Adressbüchern. Ihre vielen Entdeckungen und zahlreiche Anekdoten hielt sie in dem Buch ›Die Kantstraße‹ fest.

Kantstraße

In den 1890er Jahren fing man mit der Bebauung der Kantstraße an. Sie wurde zur bevorzugten Wohngegend des gehobenen Bürgertums innerhalb der rasant wachsenden Stadt Charlottenburg. Nicht zuletzt bei Musikern, Malern, Bildhauern oder Schauspielern war sie sehr beliebt. Mit dem Zuzug osteuropäischer Juden, russischer Einwanderer und chinesischer Studenten setzte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die erste Welle der Migration ein. Das erste chinesische Restaurant Berlins, das ›Tientsin‹, eröffnete bereits 1920. »Dass sich überhaupt so viele chinesische Restaurants hier angesiedelt haben, lag in allererster Linie an den chinesischen Studenten«, erzählt Birgit Jochens. »Die lebten irgendwo in der Kantstraße zur Untermiete, weil sie meistens an der Technischen Hochschule studiert haben und außerdem hier der Verein der chinesischen Studenten zu finden war.« Heute gibt es mehr als 25 asiatische Restaurants in der geschichtsträchtigen Straße.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Kantstraße zur Hauptgeschäftsstraße des Westens. Es folgte eine wechselvolle Geschichte im Berlin des Ost-West-Konflikts. In jüngster Zeit rückte sie im Zuge der Stadtentwicklung der City West wieder in den Fokus von Stadtentwicklern und Investoren. So wandelte sich auch ihr Image. Heute beherbergt die Straße einen Mix aus Designläden, internationalen Restaurants, Boutiquen, aber auch alteingesessenen Fachgeschäften. Mit dem Theater des Westens, dem Kant Kino, der Paris Bar und dem stilwerk finden sich heute dort markante Wahrzeichen.
Am 13. September besteht die Möglichkeit, spannenden Stories vom preußischen Charlottenburg bis zur Berliner City West zu lauschen und zu erfahren, wer alles in der Kantstraße gelebt und gearbeitet hat. Dann berichtet Birgit Jochens einer Führung über die Straße der Künstler und der Pioniere aus Wissenschaft und Technik.

Führung Kantstraße; 13. September, 18 Uhr; Treffpunkt: Ratskeller des Rathauses, Otto-Suhr-Allee 100, 10585 Berlin; www.verlagberlinbrandenburg.de

 

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