Fotos: Stefan Kahlau

Wenn Gebäude sprechen könnten, hätten sie nicht selten von einer bewegten Vergangenheit zu erzählen. Die ist umso spannender, wenn das jeweilige Bauwerk obendrein noch politischer oder militärischer »Geheimnisträger« war, der selbst den Menschen aus seiner nächsten Umgebung lange Zeit verwehrt blieb. All das trifft auf die Neue Hakeburg in Kleinmachnow zu. Anfang des 19. Jahrhunderts im Auftrag des märkischen Adligen Dietloff von Hake als repräsentatives Wohngebäude im Burgenstil errichtet, kaufte 1937 das Reichspostministerium das gesamte Gelände auf dem Seeberg inklusive Hakeburg. In der Folgezeit richtete sich Reichspostminister Wilhelm Ohnesorge dort nicht nur eine pompöse Privatresidenz ein, auf der Liegenschaft entstand zudem eine kriegswichtige Forschungsanstalt. In ihren Instituten wurde an neuen Waffentechnologien geforscht, etwa in den Bereichen Hochfrequenztechnik, Fernsehen, Radar und Atomphysik. Nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergte die Hakeburg die Parteihochschule Karl Marx und wurde damit zum ideologischen Zentrum der DDR. Zur Eröffnungsfeier im Januar 1948 fanden sich sämtliche Mitglieder der Führungsspitze ein, neben Wilhelm Pieck etwa Otto Grotewohl und Walter Ulbricht. Anfang der 1960er-Jahre gründete sich der »Intelligenz-Klub« Joliot-Curie. Er nutzte die Räumlichkeiten im Erdgeschoss der Hakeburg kurzzeitig für Veranstaltungen wie Vortragsabende, Lesungen, Filmvorführungen, Konzerten oder Kunstausstellungen. Unter anderem traten dort Wolf Biermann und Manfred Krug auf. Doch schon wenig später diente die Hakeburg ausschließlich als Gästehaus der Bezirksparteileitung Potsdam. 1979 erfolgte dann deren komplette Rekonstruktion und Neueinrichtung. Zu den prominenten Besuchern gehörten hohe Staats- und Parteigäste wie Michail Gorbatschow, Fidel Castro und Jassir Arafat. Gerüchten zufolge soll auch Nikita Chruschtschow in der Hakeburg genächtigt haben, aber das ist nicht belegt. Nach der Wende wurde die Hakeburg zum Hotel ausgebaut. In den Folgejahren wechselten sich verschiedene Betreiber und Investoren ab. Um die Jahrtausendwende eröffnete auf der Hakeburg ein Catering- und Eventunternehmen. Hochzeits- und Geburtstagsgesellschaften feierten dort, außerdem wurden Empfänge, Bälle und Talkrunden veranstaltet. In dieser Zeit wurde das Gebäude Schauplatz für zahlreiche Fotoshootings und Filmdrehs. So spielten beispielsweise Szenen aus dem Polizeiruf 110 ›Verdammte Sehnsucht‹ mit Horst Krause und Imogen Kogge von 2008 in Kleinmachnow.
Alle Zeiten haben an der Hakeburg deutlich ihre Spuren hinterlassen, manche mehr, manche weniger. Ein allemal lohnenswertes Erlebnis ist es, sie im Rahmen einer Führung nachzuverfolgen. Das kann man bereits beim Betreten der Eingangshalle. Die Pracht, die sie unter ihrem Erbauer hatte, ist nur noch schwach zu erahnen. Denn Postminister Ohnesorge, der ein schlichtes, sachliches Design bevorzugte, ließ diesen Bereich radikal umgestalten. Davon zeugen bis heute die Fußbodenplatten oder das Treppengeländer. Der postsozialistische Hotelbetrieb ist noch an dem in die Wand eingefügten Rezeptionsbereich sowie an den Wandmalereien, die steinerne Verzierungen imitieren, zu erkennen. Das sich anschließende Empfangszimmer gab zu Dietloff von Hakes Zeiten den Blick auf den Machnower See frei, der 1906 zum Teltowkanal ausgebaut wurde. Dort konnte der Hausherr den regen Schiffsverkehr beobachten. Postminister Ohnesorge ließ das Ufer kriegsbedingt zuwachsen. Den herrlichen Blick aufs Wasser wiederherzustellen, wäre heutzutage aufgrund der gültigen Baumschutzverordnung nicht möglich. Das im Empfangszimmer von Minister Ohnesorge verlegte Parkett mit Hakenkreuzmotiven wurde nach dem Krieg entfernt. Hat man trotz ihres maroden Zustandes beeindruckende Räume wie Kaminzimmer, Speisesaal, Teezimmer und Wintergarten durchschritten, gelangt man zu einem kleinen, aber feinen Durchgangsraum. Dessen Wände sind verziert mit faszinierenden Sgrafitto-Malereien. Sie sind auf Keramiktafeln aufgetragen und stammen von dem Künstler Carl Crodel. Zynischerweise waren dessen Werke im Dritten Reich frühzeitig als »entartet« eingestuft, Crodel selbst aus dem Lehramt entlassen worden.
In den oberen Etagen dominiert dann DDR-Charme, etwa in den ehemaligen Sport- und Fitnessräumen, die die typischen kleinen Keramikkacheln aufweisen, oder die inzwischen heruntergekommenen Gästezimmer, deren Bäder noch mit den originalen Armaturen ausgestattet sind. Einen Eindruck von der früheren Pracht des Turmzimmers vermittelt heute nur noch ein Foto. Es war zu Dietloff von Hakes Zeiten reich getäfelt und gemütlich eingerichtet. Das gesamte Interieur wurde allerdings schon 1939 aus Luft- und Brandschutzgründen entfernt. Heute präsentiert sich das Turmzimmer lediglich als karger Raum, der aber durch seinen umwerfenden Rundblick auf die Landschaft besticht. Ihn wusste auch der adlige Hausherr zu schätzen, der sich hier oben eigens ein Fernrohr installieren ließ. Beklemmend und zugleich faszinierend ist die letzte Station der Führung: die unterirdische Bunkeranlage, die 1941 eingebaut wurde. Bei der Besichtigung dieser Katakomben empfiehlt es sich, eine Taschenlampe dabei zu haben.
Die regelmäßigen Führungen durch das Gebäude werden vom Heimatverein Kleinmachnow organisiert. Er hat sich seit Mitte letzten Jahres der Neuen Hakeburg angenommen, um Interessierten einen Einblick zu gewähren. Auch Schulklassen aus der Region konnten dadurch schon den geschichtsträchtigen Ort vor ihrer Haustür besichtigen. In diesem Jahr waren sogar schon Nachkommen der von Hakes in Kleinmachnow, um sich die Burg anzuschauen. Wer eine Führung miterleben möchte, meldet sich einfach beim Heimatverein an. Das ist voraussichtlich noch bis März nächsten Jahres möglich. Danch sollen in der Hakeburg Eigentumswohnungen entstehen. In diesem Monat finden an zwei Sonntagen Führungen statt, am 1. sowie am 15. Oktober, jeweils um 13 Uhr, 14.30 Uhr und um 16 Uhr.
Am 28. Oktober spielt zudem eine Folge aus der Reihe ›Fakten-Checker‹ des Fernsehsenders RTL in der Hakeburg. Sie wird am 9.15 Uhr ausgestrahlt.

Heimatverein Kleinmachnow e. V.
Hohe Kiefer 41
14532 Kleinmachnow
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