Die Kellertorwache im Jahr 1911

Die Stadt Potsdam war einst reich an Toren. Einer, der jedes einzelne von ihnen genau kennt, ist der Historiker Willo Göpel. »Im Barock hatte die Stadt zehn Tore, von denen heute vier vollständig und weitere zwei in Fragmenten im Stadtbild sichtbar sind«, erzählt der Potsdamer. Das Alte Wassertor befand sich an der Mündung des Stadtkanals gegenüber den Planitzinseln. »Das Neue Wassertor stand am Bassinplatz an der heutigen Hebbelstraße. Und den Wasserlauf, der das Bassin mit dem Heiligen See verband, querte die Paddenbrücke«, so Göpel.
Das Kellertor war also nur eines von vielen Potsdamer Stadttoren, allerdings der Eingang zur Stadt auf dem Wasser. Dieses architektonische Kleinod wurde nach dem kurfürstlichen Weinkeller benannt, der sich am Ort des heutigen Heilig-Geist-Stiftes befand. Und gebaut wurde es mutmaßlich nach einem Vorbild: dem Musikpavillon in Louveciennes bei Paris. Diesen ließ sich Madame du Barry im Schlosspark ihres Sommer­sitzes bei Versailles vom französischen Architekten Claude Nicolas Ledoux – einem der frühen Vertreter des Neoklassizismus in Frankreich – in den 1770er Jahre errichten.
In der Kellertorwache residierten ein königlicher Steuerbeamter und zwei Grenadiere als Militärwache. Sie erhoben eine Art Mehrwertsteuer auf zu Wasser eingeführte Waren, da innerhalb der Stadt höhere Preise als auf dem Landmärkten zu erzielen waren. Fischer konnten ihren Fang also nicht in die Stadt bringen, ohne vorher Steuern gezahlt zu haben. Im Mai 1945, zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sie durch eine russische Granate zerstört. Zurück blieb eine Ruine, deren noch vorhandener Portikus um 1960 beseitigt wurde. Die DDR-Stadtplaner schlugen erst einen Wiederaufbau vor. Dann plante der Magistrat jedoch die Havelquerung für Autos an dieser Stelle, was zum Abbruch führte.
Willo Göpel hat zusammen mit seiner Frau Isabel Geigenberger die Kellertorwache maßstabs- und profilgetreu wiedererrichtet. Eine monetäre städtische Funktion hat sie jetzt freilich nicht mehr. Sie dient als Wohnhaus für Familie Göpel. Die Führung des Historikers, der auch Mitbegründer des Bauvereins ›Potsdamer Stadtkanal 1722‹ ist, bietet am 11. September einen Einblick in Geschichte und Gegenwart des Kellertors und des Stadtkanals sowie in die Planungen zur weiteren Wiederherstellung der alten Potsdamer Gracht. »Das nächste Ziel ist für mich das schrittweise Wiederherstellen des Stadtkanals von der Heilig-Geist-Straße bis zur Berliner Brücke«, sagt er.

Führung Kellertorwache und Potsdamer Stadtkanal
Treffpunkt: Kellertorhaus, Am Kanal 74, 14467 Potsdam; 15 Uhr
Anmeldung unter verein@urania-potsdam.de

 

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