Nach ihrem Holon-Dreier melden sich The Hirsch Effekt nicht nur mit einem riesigen und musikalisch komplexen Brocken von Album zurück – die drei Jungs gehen auch ganz neue Wege. Komponiert wurde ›Eskapist‹ von allen Bandmitgliedern in den eigenen vier Wänden, auf Laptops und Gitarren. Jeder der drei konnte die gesamte Band zu seinem Vehikel machen. Moritz an der Gitarre, Ilja als Songschreiber: Die temporäre Aufhebung der festen Rollen brachte andere Farben, tiefere Gitarrenstimmungen, neue Komplexität und weitere Spannung in das eh schon engmaschige Songwriting-Gewand. Auch textlich wurden neue Wege beschritten. So steuerte Ilja zu einigen Stücken englische Texte bei, die Nils wiederum ins Deutsche übersetzte. Ebenso der system- und sozialkritische Inhalt sowie der politische Kontext der Texte sind neu.
Musikalisch erinnern mich die Jungs mit den vielen Breaks, der oftmals free-jazzigen Komposition und der trotzdem unglaublichen Härte ungemein an The Dillinger Escape Plan. Da letztere ja gerade ihre Auflösung betreiben, ist es umso charmanter, dass diese Band hier quasi in die Fußstapfen besagter (und extrem großartiger) Band tritt. Auf der anderen Seite erinnert das Ganze hier dank der deutschsprachigen Texte auch sehr stark an Fjort, eine in meinen Augen nicht minder exquisite Referenz.

 

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