Blick auf Werder von Wildpark-West, Fotos: Christopher Banditt
»… ein klarer Spätsommertag, mit einem durchleuchteten Gewölk am Himmel, so erschien jetzt Paretz.« (Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg)
Schloss Marquardt
Ketzin / Havel

Nachdem nun der Sommer im Ganzen ziemlich enttäuschend war, bleibt noch die Hoffnung auf den einen oder anderen goldenen Tag im September. Ein solcher ist natürlich umgehend für eine Fahrradtour zu nutzen!
Dazu setzt man sich von Potsdam aus entlang der B 273 in Bewegung, durchquert Bornstedt und Bornim und kommt nach fünf weiteren Kilometern in Marquardt an. Hier präsentiert sich nicht nur die Anfang des vorigen Jahrhunderts erbaute Backsteinkirche. Auch das an der Wublitz und mit Blick auf den Schlänitzsee gelegene Schloss ist einen Abstecher wert. Fleißige Kinogänger werden hier ein Déjà-vu-Erlebnis haben, war doch Schloss Marquardt erst vor zwei Jahren als Kulisse in Steven Spielbergs ›Bridge of Spies‹ zu sehen.
Hinter der Autobahnunterführung führt links die Route weiter durch das kleine Uetz-Paaren mit seiner rausgeputzten Dorfkirche. Wer der Paretzer Straße folgt und den Havelkanal überquert, erreicht schließlich Paretz. Hier ließ sich ab 1797 der junge preußische König Friedrich Wilhelm III. mit seiner Luise ein Landschloss errichten, das dem Paar als gedämpfter Rückzugsort dienen sollte. Das zurückgenommene Schloss, das zu DDR-Zeiten als landwirtschaftliche Ausbildungs- und Verwaltungsstätte diente, wurde zur Jahrtausendwende behutsam rekonstruiert und steht für Besichtigungen offen.
Der im Volk weithin beliebten und 1810 jung verstorbenen Königin Luise ist in der Paretzer Kirche ein von Johann Gottfried Schadow gestaltetes Relief gewidmet. Und bis vor hundert Jahren erinnerte auch noch die sogenannte Luisenpforte an den letzten Aufenthalt der Königin in Paretz zwei Monate vor ihrem Tod. Die noch erhaltenen Fundamente der Pforte und eine Gedenktafel passiert man während der Weiterfahrt nach Ketzin.
Auch Ketzin kann mit einer besonderen Geschichtsträchtigkeit aufwarten: Hier gelang es der Roten Armee am 25. April 1945, den Ring um Berlin zu schließen, worauf heute ein Gedenkstein auf dem Marktplatz hinweist. Wer mit den ganzen Geschichten von früher eher wenig anfangen kann und sich eigentlich nur mal locker machen will, ist in Ketzin ebenfalls gut aufgehoben. Die kleine Havelpromenade ist wie gemacht zum Schlendern, Entspannen, Eisessen.
Mit Historie im Kopf und Eis im Bauch radelt man weiter über die Werdersche Straße der Havel entgegen, überquert diese mit der Ketziner Fähre und setzt auf der anderen Seite die Fahrt auf dem Havel-Radweg durch Phöben fort. Am Bahnhof Werder angekommen folgt man den Schienen über die Eisenbahnbrücke und fährt rechter Hand in die beschauliche Ortschaft von Wildpark-West ein. Die kleine Badestelle hier bietet nicht zuletzt eine schöne Ansicht der Stadt Werder (Havel).
Die letzte Etappe des Tages führt schließlich über den Werderschen Damm zurück nach Potsdam.

 

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