Melanie und Shaun als Ödipus und die Sphinx von Gustave Moreau

Nein, eine ganz neue Kunstidee ist es nicht, berühmte Gemälde auf Leinwänden neu zu inszenieren. Kunstsammler James Austin ist dennoch sofort von den Mixed-Media-Arbeiten Sylwia Makris mit dem Namen ›Old Masters‹ fasziniert, als er sie bei der Berliner Fashion Week das erste Mal sieht. Es sind ungewöhnliche Porträts, die Menschen zeigen, die nicht gängigen Schönheitsidealen entsprechen. Ganz neu daher kommt die Auswahl sakraler Motive von Botticelli und Caravaggio bis hin zu Lucas von Cranach oder Gustav Klimt. Hier sind ›Saint Sebastian‹, ›Das Mädchen mit dem Perlohring‹ oder ›Mona Lisa‹ tätowiert, ihnen fehlen Körperteile oder sie haben sichtbare Gendefekte. Fotografieren ließen sich von Makris unter anderem die Schauspielerin Nora Tschirner, Transgender-Model Garrison Partusch, Melanie Gaydos oder Florentine Joop, Tochter von Modedesigner Wolfgang Joop. Die Kostüme, die die Modelle tragen, wurden für die Fotos mit großem Aufwand von der Modedesignerin Nina Athanasiou entworfen. Die Nähe zu den Originalen, die dadurch entsteht, ist verblüffend und verwirrend zugleich.
Austin weiß darum sofort, was er mit den Kunstwerken machen will. Seit ein paar Jahren gehört ihm zusammen mit einem Freund ein leer stehender Supermarkt in Golm – der perfekte Ort für die Arbeiten der polnischen Künstlerin, denn dieser ist ungewöhnlich, nicht so, wie man sich eine Galerie im klassischen Sinne vorstellt. Einkaufswagen stehen noch im Raum, erzählen von der kurzen Geschichte des hellen Einkaufsladens, der im Golmer Neubaugebiet nicht bestehen konnte. Hier ist Platz für die zum Teil mehrere Meter großen Bilder, die an den weißen Wänden intensiv zur Geltung kommen. Und die Besucher kommen, um das zu sehen, neugierig hat Austin mit seiner ungewöhnlichen Galerie gemacht: »Die Resonanz der Golmer ist sehr positiv«, sagt er. Auch seien hin und wieder andere Künstler aus Potsdam bei ihm zu Gast, und sogar bis nach Berlin habe sich der Ort herumgesprochen.
Bis zum 28. Oktober  sind die ›Old Masters‹ noch donnerstags und freitags von 12 bis 18 Uhr für die zu sehen, die ebenfalls neugierig sind. Wie es danach mit dem Kunst-Supermarkt weitergeht, weiß Austin noch nicht. Eventuell wird die Ausstellung noch einmal verlängert, vielleicht kommt aber auch neue Kunst. Nur eines weiß er sicher: »Ich möchte gern an diesem Ort bleiben.« Es wird sich also im Herbst zeigen, ob Golm weiterhin zwar um einen Supermarkt ärmer, dafür aber um einen Ort der Kunst reicher sein wird.

Ausstellung ›Old Masters‹
Reiherbergstraße 14
14476 Potsdam-Golm

 

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