Foto: Tom Schulze

Mehr als 750.000 Besucher aus der ganzen Welt sind seit Ende September 2012 zum ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie gepilgert, um noch einmal das Berlin der 1980er-Jahre zu erleben. Es war die Zeit, in der die Großstadt durch eine Mauer geteilt wurde, als niemand dachte, dass diese Teilung jemals aufgehoben werden würde. Wer das Panoramabild ›Die Mauer‹ von dem Berliner Künstler Yadegar Asisi besucht, befindet sich mitten in der Sebastianstraße in Kreuzberg zur Zeit des Kalten Krieges. Asisi selbst verarbeitet hier seine eigenen Erfahrungen als Zeitzeuge. »Das Panorama bündelt meine Erfahrungen aus den 80er-Jahren in Kreuzberg in vielen Szenen und Details«, erzählt er. »Ausgehend von der realen Situation habe ich die Bildkomposition so umgesetzt, dass dem Betrachter in vielen Details kleine Geschichten erzählt werden. Sowohl die Stadtgeografie als auch die Zeitgeschichte sind aber verdichtet und künstlerisch überhöht.« Er wolle den Besuchern die Atmosphäre der Zeit vermitteln, so Asisi – und das in Details, die so nicht alle zeitgleich oder an einem Ort geschehen wären. Auf 900 Quadratmetern hat man im Panorama den Rundblick an einem Herbsttag über den alternativen Bezirk SO 36 in West-Berlin, der an drei Seiten von der Mauer und dem Landwehrkanal umgeben war. »Aus diesem Bezirk, für den sich der Senat nicht interessierte, wanderten viele Menschen ab, während gleichzeitig Migranten, Studenten und Punks einzogen, weil Wohnraum günstig war«, erzählt Karsten Grebe von der Agentur, die das Panorama betreut. »Hier kamen die Menschen mit Handwagen her, weil die Straße geteilt war und niemand mit dem Auto durchkam.«
Die Panorama-Ausstellung sollte eigentlich nur zwei bis drei Jahre gezeigt werden, doch sie lief so erfolgreich, dass am 14. Oktober nun bereits der fünfte Jahrestag begangen wird. Anlässlich des Jubiläums waren die Berliner aufgerufen worden, private Fotos aus jener Zeit für eine Begleitausstellung im Vorraum zur Verfügung zu stellen. So entstanden viele kleine Geschichten, die die Besucher aus Australien, Amerika, Japan, aber auch Deutschland in eine Zeit eintauchen lässt, die viele nicht mehr kennen oder nie kannten. »Besonders beeindruckend sind die Fotos eines Herrn Schwarz, der als Kind eine Kamera geschenkt bekam und damit den Mauerbau filmisch festgehalten hat«, so Grebe. »Was damals lediglich Lust zum Fotografieren war, ist auf der Ausstellung ein wichtiges Zeitdokument.« Am Aktionstag gibt es ab 10.30 Uhr regelmäßig geführte Touren, einen Familien-Bastelnachmittag, Stände mit Berliner Kulinaritäten sowie Live-Musik und eine Verlosung.

www.die-mauer.de

 

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