Recht einfach machen es sich die Belgier von Amenra bei der Betitelung ihrer Alben. »Mass« heißt jedes von ihnen, versehen mit einer Nummerierung. Bei ›VI‹ sind sie mittlerweile angekommen, und trotzdem sie dieses Spiel nun schon eine Weile treiben und sich vom Sound her kaum verändert haben, ist dies ihre bislang beste Scheibe. Das liegt zum einen am zunehmenden Grad der Professionalisierung. Scheppert ›I‹ noch ungewollt aus allen Rohren und klingt wie ein Album, das im Hobbykeller produziert wurde, kann die Band nun auf beste Studiotechnik zurückgreifen. Nicht das Schlechteste, wenn der eigene Sound aus vielen tiefen, schweren Metalriffs besteht. Amenra sind Vertreter des sogenannten Doom- oder Sludgemetal – will heißen, dass sich langsam aufbauende Songstrukturen und daraus resultierende wütende Ausbrüche das Mittel der Wahl sind. Wenn es in diesem Genre »Gesang« gibt, dann besteht der meist aus markerschütterndem Geschrei. So auch hier. Allerdings ist Sänger Colin van Eeckhout sehr wandlungsfähig – neben dem Geschrei kann er schön »clean« singen. Diese Künste beschränkten sich bislang auf die Veröffentlichungen der Band, die »außer der Reihe« stattfanden, in denen sie ihre Stücke sehr reduziert neu einspielten (›Alive‹). Nun sind sie auch hier präsent und geben ›VI‹ eine zusätzliche Note.

 

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