So was hat man selten: Die komplette musikalische Wandlung innerhalb weniger Monate. Geschehen ist sie in diesem Falle bei Kele Okereke. Man kann diesen von seiner Hauptband Bloc Party her kennen, die mit für die zweite Welle des britischen Indierockhypes verantwortlich waren und dort wegbereitende Alben herausbrachten. Solo hingegen war »Kele«, wie er sich nannte, damit unterwegs, Synthiepop und IDM (Intelligent Dance Music) auf die Elektrobühnen der Welt zu bringen. ›Fatherland‹ ließ daher Ähnliches erwarten, klingt aber völlig anders. Grund dafür sei die eigene Vaterschaft, so informiert uns der Beipackzettel – und ja: Spöttisch könnte man sagen, dass diese Platte dafür geeignet ist, sie kleinen Kindern zum Einschlafen vorzuspielen. Hauptsächlich mit unverstärkten, akustischen Instrumenten geht Okereke zu Werke und singt dazu tiefenentspannte Lieder, die zwischen Soul und Folk changieren. Man hört die Tradition der großen Folkmusiker dabei deutlich heraus. Bob Dylan, Nick Drake und vor allem Elliott Smith, dem Okereke mit seiner hellen Stimmfärbung ähnelt. So ist ›Fatherland‹ ein zwar kurzweiliges, aber rundum schön anzuhörendes Album für den Abend. Völlig gelöst, ganz im Gegenteil zum hektischen Bloc-Party-Stil, und mit einer gehörigen Portion Soul präsentiert sich Okereke – eine gelungene Wandlung.

 

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