Fotos: Fabien Prauss

Spätestens seit seinem Album ›Jenseits von Köpenick‹, das 2015 erschien, ist Romano aus den Playlists der Radiostationen nicht mehr wegzudenken. ›Klaps auf den Po‹, ›Metallkutte‹ oder ›Köpenick‹ sind weitere Songs, die zum Mitschwingen und Mitsingen einladen. Schon beim ersten Hören seiner Musik hält man inne und fragt sich: »Was singt der Mann für schräge und witzige Texte?« Taucht man weiter ein, findet sich ein Potpourri aus Gedanken, Gefühlen und Themen, die jeder kennt. Jetzt ist Romano mit seinem neuen Album ›Copyshop‹ zurück. Auf seiner Tour, die ihn durch ganz Deutschland und Österreich führt, macht er am 9. November in Berlins Columbiahalle Halt. Was Romano im Copyshop treibt und warum Katharina Thalbach in seinem Song ›Mutti‹ mitspielt, hat er friedrich in einem kleinen urigen Köpenicker Café verraten, in dem die Kellnerinnen noch Hütchen und weiße Schürzen tragen. Stilvoll und irgendwie anders – so wie Romano selbst, dessen Markenzeichen zwei geflochtene Zöpfe sind.

 

Du hast ziemlich viele Fans. Deine aktuelle Musik kann man schon in Richtung Hip Hop einordnen, und dennoch lässt sich Romano nicht wirklich in eine Schublade packen. Du hast ja früher auch Schlager und Heavy Metal gemacht. Wie passt das alles zusammen?
Dadurch, dass ich als Musiker schon so viele verschiedene Richtungen ausprobiert habe, ist das Publikum auch ziemlich durchmischt. Würde ich reinen Hip Hop machen, hätte ich auch ein klassisches Hip Hop-Publikum. Aber so kommen vom Metalhead über Hip Hop-Anhänger bis hin zum Schlagerfan alle in meine Konzerte und singen meine alten Songs mit. Das ist auch das Schöne, es ist ein bunter Mix. Ob heterosexuell oder schwul, das spielt bei meiner Musik keine Rolle, hier kommen alle zusammen und feiern gemeinsam.

Du bist aber auch ein unkonventioneller, entspannter Mensch. In deinem Song ›Köpenick‹ kuschelst Du Dich von hinten an einen Motorradfahrer. Wohl kaum eine klassische Szene für einen Hip Hop Musiker …
Es ist schon so, dass jedes Genre bestimmte Gesetze und Strukturen hat, an die sich die Leute halten. Ich möchte genau diese ab und zu brechen. Ich bin ein bisschen wie ein Kind, das in einen Laden geht und sich das nimmt, worauf es Lust hat. So war ich schon immer. Ich bin meinen Weg straight gegangen, auch wenn es oft Menschen gab, die sich gewundert haben – vor allem bei dem Schlagerprojekt.

Wie bist du denn dazu gekommen, Schlager zu singen?
Das Projekt ist mit einem Freund entstanden, der den Auftrag hatte, einen Remix für eine englische Band zu produzieren. Er saß da und ihm fiel nicht wirklich etwas ein. Ich war kurz auf der Toilette, um mich frisch zu machen, und habe dabei gesungen: ›Es sind die Worte der Liebe.‹ Der Freund war so begeistert, dass wir einen Sekt köpften – und das Schlagerprojekt war geboren. Ganze sieben Jahre habe ich Schlager gesungen.

Du produzierst deine Stücke mit Moritz Friedrich, der als ›siriusmo‹ einen Namen in der Musikszene hat. Seit wann arbeitet ihr zusammen?
Wir kennen uns schon sehr lange. Ich habe mal zu einem Schulprojekt ein Gangstervideo gedreht und wir brauchten einen Soundtrack. Da wurde mir Moritz empfohlen. Ich habe ihn in seinem ausgebauten Dachboden besucht, wo er Musik gemacht hat. Er hat etwas gespielt und ich habe darauf gerappt. Wir haben uns angeschaut und wussten, dass es zwischen uns passt. Später hat er sich wieder bei mir gemeldet und ich mich bei ihm. So ging das hin und her, und irgendwann ist er in die Stadt gezogen.

In welche Stadt? Nach Berlin?
Ganz genau: Der Köpenicker sagt, er fährt in die Stadt rein, wenn er nach Berlin fährt. Aber der Köpenicker fährt auch in die Stadt, wenn er nur ins Einkaufs-Center fährt. (lacht)

Aber siriusmo und Romano haben sich wiedergefunden?
Wir haben uns nie aus den Augen verloren und sind bis heute dicke Freunde. 2013 haben wir zu seinem zweiten Album ›Enthusiast‹ ein Video zu dem Song ›Itchy Cornerboy‹ gedreht, zusammen mit dem Regisseur Jakob Grunert. Jakob ist auch ein ganz toller Typ. Wir wussten, dass wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen wollten. Ganze dreimal trafen wir uns bei mir und jedes Mal sind wir auseinander gegangen – immer leicht angetrunken –, weil uns nichts eingefallen ist. Schließlich hatten wir die Idee, dass wir das Video bei mir in Köpenick drehen.

Im Video sieht man dich durch sämtliche Locations Köpenicks laufen. Du tanzt mit den Menschen auf der Straße. Alles wirkt authentisch. Gibt es denn die Orte, die Du in deine Songs einbaust wirklich?
Ja, natürlich: Margittas Imbiss gab es, der wurde leider geschlossen, und die Champagner-Bar gibt es im Forum Köpenick, wo man Sekt trinkt. Auch im Kaufhof gibt es eine echte Champagner-Bar. Hierzu sage ich immer KDO, Kaufhaus des Ostens, was quasi das Gegenstück zum KDW ist. Und wenn es mal nicht für Champagner reicht, dann wird es eben ein Sekt. Das Leben ist trotzdem schön – à la Harald Juhnke in ›Barfuß oder Lackschuh‹. Ist es schlimmer, wenn man weniger hat? Nein, man macht es sich in seiner Welt schön, so wie einem eben möglich ist.

Wie hat sich Dein Leben verändert, seit man Romano überall kennt? Bist du noch der Köpenicker, der Du immer warst?
Es hat natürlich eine Veränderung gegeben. Bei ›Jenseits von Köpenick‹ haben wir schon vermutet, dass es raus geht aus Köpenick in die Welt. Ich hatte viele tolle Erlebnisse, habe viele neue Menschen kennengelernt. Die Kommunikation ist größer geworden. Die Leute gehen offen auf mich zu und ich auf sie. Das ist mir auch wichtig. Ich kann sagen, dass ich derselbe Typ bin mit dem Unterschied, dass ich heute von der Musik leben kann.

Apropos. Was hast Du denn vorher gemacht?
Ich habe acht Jahre in einem Copyshop gearbeitet. Mein Vater meinte nach meinem Zivildienst auf der Krebsstation der Charité, dass ich etwas Vernünftiges machen solle und neben der Musik für mich noch ein zweites Standbein finden solle. Ich hatte überlegt zu studieren, aber ich hatte bereits meine eigene Wohnung, sodass ich Geld brauchte. Dann habe ich mich als Mediengestalter in verschieden Druckereien beworben. Die wollten mich auch haben, aber die Ausbildung ging eher in die technische Richtung und der kreative Part kam zu kurz. Dennoch habe ich es durchgezogen und bis 2013 in verschiedenen Copyshops gearbeitet. Aber so konnte ich zu diesem Zeitpunkt auch die Musik machen, die ich wollte, da ich durch mein Gehalt unabhängig war und nicht wie einige andere Freunde mit einer Coverband durch die Lande ziehen musste.

Hast Du damals schon damit gerechnet, in welche Richtung es musikalisch gehen würde?
Nein, gar nicht. Als ich mich mit Jakob und Moritz getroffen hatte und mit denen das Video gedreht habe, ging es eigentlich erst los. Die beiden Omas aus dem Video ›Itchy Cornerboy‹ sind meine Nachbarinnen. Sie haben mir die Zöpfe geflochten. Damit war unser Projekt geboren. Dadurch wurde es irgendwie auch intimer. Im aktuellen Album sogar noch ein bisschen mehr, wie die Vater-Sohn-Geschichte in ›Karl May‹. Auch die Gedanken im Stück ›Copyshop‹. Da habe ich ja Teile meine Vergangenheit verarbeitet.

Schreibst Du die Texte selbst?
Ein großer Teil des Grundkonzeptes ist von mir. Für das neue Album habe ich mich eingeschlossen und hintereinander geschrieben. Mit Moritz haben wir dann noch Textzeilen ausgetauscht. Die Beats macht er. Wir drei ergänzen uns wirklich optimal.

Das Video zu ›Köpenick‹ habt ihr in Compton gedreht. Kein ganz ungefährlicher Teil von Los Angeles …
Es war echt nicht ohne. Wir hatten einen starken Sightseeing Guide aus der Hood dabei, der auch als Bodyguard fungierte. Der Kameramann wollte lediglich die Türme von Watts filmen, da kamen Typen um die Ecke, die ihm zwei Minuten gaben zu verschwinden. Als wir in Compton drehten, saßen da auch schon Homies und haben sich einen Joint gebaut und uns gefragt, was wir da machen würden. Die sahen uns, einen Typen mit geflochtenen Zöpfen, den Kameramann, der einen Fischerhut aufhatte, und Jakob, der wie der Trainer einer Baseball-Mannschaft aussah. Dazu dieser überdimensionale Guy, der uns die Ghettos der Stadt präsentierte. Dann fing ich auch noch vor der Kamera an zu tanzen. Die dachten echt, wir wollten zum Fasching, und schmunzelten über uns, ließen uns aber unser Ding machen. Irgendwann sind wir da schnell wieder rausgefahren.

In deinem Video ›Mutti‹ spielt Katharina Thalbach mit. Ihr passt richtig gut zusammen als Mutter und Sohn. Wie kam es zur Zusammenarbeit?
Wir haben für ›Das Erste‹ in dem Spielfilm ›Wir sind die Rosinskis‹ gemeinsam gedreht und uns super verstanden. Deshalb habe ich sie gefragt, und sie hat sofort zugesagt.

Am 9. November wirst du erstmals in der Columbiahalle spielen. Was erwartet die Konzertbesucher?
Es wird bunt, laut und emotional! Mehr wird noch nicht verraten.

 

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