Der geneigte Leser dieser Rubrik wird sich vielleicht daran erinnern, dass ich, dem allgemeinen Trend folgend, zwar schon immer ein Freund des skandinavischen Krimis war, aber gleichzeitig auch stark der original Deutsch geschriebenen Literatur zugeneigt war. Umso mehr erstaunt und erfreut es mich immer wieder, wenn ich, wie in der Musikwelt, auch in der Literatur immer wieder Autoren entdecken darf, die sich ganz besonders angenehm lesen. Till Raethers hochsensibler und zur Klaustrophobie neigender Kommissar Adam Danowski, der hier in ›Neunauge‹ nicht zum ersten Mal die Hauptfigur gibt, ist eine durch und durch menschliche Figur, jenseits allen Heldentums. Der Plot: In Hamburgs Schulkellern werden mumifizierte Tote entdeckt. Die Polizei kommt nicht so recht mit den Ermittlungen vorwärts und darum wird Deutschlands populärstem Fallanalytiker Martin Gaitner (im Osten würde man sagen: ein typischer »Besserwessi«) hinzugezogen, der daraufhin Danowski im Nacken sitzt und ihn gehörig nervt. Die Recherche gestaltet sich auch nicht gerade einfacher dadurch, dass seine alte Kollegin Meta Jurkschat früher mit einem der Toten liiert war und über die Verbindung eisernes Schweigen bewahrt. Das Buch und die Geschichten um Kommissar Adam Danowski sind trotz aller Schrägheit sehr authentisch und überaus kurzweilig. Vor allem aber die beschriebenen Charaktere sind herrlich »normal« und mit unser aller täglichen Problemen und Unzulänglichkeiten behaftet.

 

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