Die Vergänglichkeit und Schnelllebigkeit der Dinge – denen widmet sich die Ausstellung ›Where are the snows of yesteryear?‹ der Potsdamer Künstlerin Patricia Vester. Vester hat durch Upcycling jahrhundertealten Schmuck und historisches Metall in Einzelteile zerlegt und neu arrangiert. Entstanden sind Unikate, die nicht nur Geschichte in sich tragen, sondern zuweilen auch kleine Geschichten erzählen. Vester geht es dabei um die Auseinandersetzung mit den Themen Zeit, Verschwendung und Transformation. Sie möchte Schönheit erforschen, das Vergangene festhalten und in etwas Zukünftiges verwandeln.
Bei der Erschaffung eines neuen Kunstwerks aus altem Schmuck lässt sich Vester von der Inspiration des Augenblicks leiten. »Manche Schmuckteile berühren mich wegen ihrer aufwendigen Verarbeitung. Es schmerzt mich, das so weggeworfen zu sehen. Die Kommunionsbrosche der Oma, die ein Vermögen gekostet haben muss, weil sie mal dem Zeitgeist entsprochen hat oder aus Edelmetall ist. Und das kombiniert mit ihrem letzten Ohrschmuck oder ihrer Puppenspielzeuggabel erzählt vielleicht schon eine Geschichte.«
Anlass zu der Ausstellung war der Überfluss, der uns täglich umgibt, und der Umgang damit. »Wir werden von unter schlimmsten Bedingungen produziertem Schmuck aus giftigen Materialien überflutet«, erzählt sie. »Und die ›Jugend‹ erkennt die Schönheit und den Wert der Schmuckstücke ihrer Großeltern kaum noch. Die Frage ›Was wird aus dem ganzen Kram, den wir wegschmeißen?‹ liegt auf der Hand. Schöner formuliert heißt das: ›Where are the snows of yesteryear?‹« Viele der Schmuckstücke, die sie verarbeitet hat, kaufte Vester von Jugendlichen auf Flohmärkten. »Die wollen ihren echten Familienschmuck gegen billigen Trendschmuck eintauschen und verhökern ihn daher für unfassbar wenig Geld.«
Seit sie angefangen hat, sich mit dem »Schnee von gestern« zu befassen, hat Vester sehr emotionale Situationen erlebt. »Was mich berührt hat, war, als mir ein Händler afghanischen Schmuck anbot. Unfassbar viel. Es lagen da tatsächlich uralte Familienschmuckstücke vor mir. Ich war bei dem Anblick zu Tränen gerührt, denn der Krieg in Afghanistan war hierzulande in den Medien gerade Thema Nummer Eins. Mir war klar, dass da jemand die Hinterlassenschaft ganzer Familien vielleicht für deren Leben eingetauscht hatte und das ganze eigentlich einem Museum übergeben hätte werden müssen.« Vester kaufte dem Händler nur eine große, mit roten Edelsteinen besetzte Kette ab. »Und ja, ich habe darüber nachgedacht, dass Stück schätzen zu lassen.«
Die Vernissage zu ›Where are the snows of yesteryear?‹ findet am 2. Dezember statt: im ›Wandel‹, ehemals Noa Noa, in der Jägerstraße 33 und in der ›Goldschmiede im Hof‹ in der Brandenburger Straße 69. Und am 9. Dezember können im ›Wandel‹ mitgebrachte Schmuckteile gemeinsam mit der Künstlerin live verarbeitet werden.

 

Kommentare sind geschlossen.