Eine der spannendsten Veröffentlichungen dieses Herbstes kommt aus Berlin und nennt sich und ihr Debütalbum ›Hope‹. Das Quartett orientiert sich dabei am düsteren Industrial-Großstadtsound, der als TripHop in den frühen 1990er-Jahren aus England herüberschwappte. Die Referenz Portishead ist dabei allgegenwärtig, da sich Hope sehr stark im Fahrwasser der Bristoler Legenden bewegen. Allerdings setzen Hope noch einen drüber, beziehungsweise drunter, was die Schwere und Tiefe ihrer Songs angeht. In den acht Stücken wird zudem der Bogen vom TripHop zum Post-Punk geschlagen, hier treffen lärmende Gitarrenpassagen auf wabernde Keyboardsounds. Die Gesangsparts der ausdrucksstarken Christine Börsch-Supran sind zudem recht speziell. Sie singt mit einem Akzent, der sofort klar werden lässt, dass hier keine Muttersprachlerin am Werk ist, zugleich aber auch nicht »deutsch« klingt. Die Texte passen zur Musik: existenzialistisch, voller Trennungen und Unnahbarkeiten. Mal lärmend im Ausdruck, wie in ›Kingdom‹, ›Drop Your Knives‹ oder ›Glass‹, mal in so ruhiger Atmosphäre vorgetragen, dass sich während ›Cell‹ oder ›Raw‹ die Luft schneiden lässt. Alles zusammen genommen vermischen Hope zwar Altbekanntes, spielen aber auf so hohem, eindringlichen Niveau, dass man ihnen dies gern nachsieht. Ein Platte für die dunklen Tage des Jahres.

 

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