Wenn nichts mehr geht, ist nach Hause zurückzukehren, zu seinen Wurzeln, keine schlechte Option. Zumal, wenn sich dieses Zuhause auf den Orkneyinseln im nördlichsten Schottland befinden. Dort weht beständiger Wind, es liegt Salz in der Luft und die Landschaft ist dünn besiedelt. Amy Liptrot geht dorthin zurück, nachdem ihr zehnjähriges exzessives Leben in London mit gescheiterten Beziehungen, verlorenen Wohnungen und Jobs, in einem gerade noch glimpflich verlaufenden Überfall und schließlich in die Entziehungskur der Anonymen Alkoholiker gipfelte.
Auf der elterlichen Farm will sie ihre geschundene Seele pflegen. Sie beginnt zu schreiben und fasst ihre Zeit in London, die Schwierigkeiten des Trockenwerdens, aber vor allem das Leben auf den Inseln in unsentimentale und doch ergreifende Worte. Sie erzählt von ihrer Arbeit als Vogelbeobachterin, vom Schwimmen im eiskalten Atlantik, von Mythen und Eigenarten der Inseln. Dadurch lernt sie, wieder Fuß zu fassen und auch dem Leben ohne Alkohol Extreme zu entlocken.
Selten bekommt man eindrückliche Landschaftsbeschreibungen so lebendig, lebensnah und dem Zeitgeist verbunden präsentiert. Die Autorin führt trotz aller Abgeschiedenheit kein Einsiedlerleben. Sie betont hingegen die Notwenigkeit des Kontakts in die Großstadt via digitaler Ausrüstung. Die heute mögliche Vereinbarkeit von absoluter Abgeschiedenheit in der Natur und gleichzeitiger Teilhabe am Urbanen lebt und beschreibt Amy Liptrot mit großer Souveränität.
 

Kommentare sind geschlossen.