Der Alte Markt, um 1912, Foto: Otto Zieler: Potsdam. Ein Stadtbild des 18. Jahrhunderts, Berlin 1913, S. 100

Der Alte Markt. Ohne Zweifel einer der bekanntesten und berühmtesten Orte Potsdams; einst sogar als einer der schönsten Plätze Europas betitelt. Allerdings ist der Name nicht Programm. Denn als wirklich und buchstäblich »alt« erweist sich hier bei genauerer Betrachtung eigentlich gar nichts. Unbestritten sind zwar archäologische Funde, die eine mittelalterliche Siedlung und später eine Burganlage auf dem Areal bezeugen. Aber mit dem Ausbau Potsdams zur Residenzstadt unter dem Großen Kurfürsten – nachweislich mit dem errichten Barockschloss ab den 1660er-Jahren – verlor der Alte Markt gleichzeitig seine ursprüngliche Prägung. Fortan diente er den Regenten und Regierenden als architektonische »Spielwiese« ihrer Machtinszenierung, beispielsweise in Gestalt des Fortunaportals, das die erlangte Königswürde der Hohenzollern anno 1701 symbolisierte. Der schwere Luftangriff am Ende des Zweiten Weltkrieges führte zur fast vollständigen Zerstörung des Platzes, der nach 1945 nach sozialistischen Richtlinien und Visionen umgestaltet wurde. Der zu Beginn der 1990er-Jahre gefällte Beschluss zur Wiederannäherung an das historische Ensemble läutete die jüngste Umbauphase ein, die seit den vergangenen Jahren immer sichtbarer zutage tritt.
Wahrlich eine wechselreiche Geschichte, die nunmehr in dem neu erschienenen Buch ›Der Alte Markt von Potsdam‹ von Tobias Büloff nachlesbar ist. Reich an Details, mit einer Fülle von Abbildungen und gewürzt mit illustren Anekdoten zeichnet der Historiker auf über 200 Seiten zunächst die wesentlichen Entwicklungsetappen des Ortes nach, ohne sich jedoch auf die bauliche Perspektive zu beschränken. Insbesondere im zweiten Teil richtet sich der Blick jenseits der Mauern des Alten Rathauses, des Barberini-Palastes oder der Häuser in der Humboldt-Straße. Hier bekommt der Leser noch mehr das Interieur, seine Bewohner wie auch die einkehrenden Gäste der umliegenden Hotels und Restaurants zu Gesicht. Mitunter grüßen vom Alten Markt Eugen Huguenel, Clara Schumann, Ernst Haeckel und Giacomo Casanova.

Tobias Büloff:
Der Alte Markt von Potsdam,
Verlag für Berlin-Brandenburg,
Berlin 2018

 

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