Frauenheld, Undercover-Agent, Bodyguard. Diese Attribute mit dem Namen Erich Honecker in Verbindung zu setzten, erscheint vielen genauso abwegig wie ein möglicher Zusammenbruch der sozialistischen Idee aus Sicht des Staatsratsvorsitzenden der Deutschen Demokratischen Republik. Zu fest verankert im kollektiven Gedächtnis ist das Bild eines starrsinnigen Greises, der die deutsche Wiedervereinigung aus dem Krankenhaus, von der Anklagebank, aus Moskau oder aus dem chilenischen Exil mitansehen musste. Die Person Honecker verkörpert die Blaupause des ergrauten realsozialistischen Gesellschaftssystems, das in den ausgehenden 1980er-Jahren endgültig in die Brüche ging und damit dem Lebenswerk des Unbelehrbaren ein Ende setzte.
Mit seinem 2016 erschienenen Buch ›Erich Honecker. Das Leben davor 1912–1945‹ hat Martin Sabrow dargelegt, dass dieses Leben keineswegs maßgeschneidert war. Tiefere Einblicke dazu gewährt ein Vortrag am 15. Februar in der Potsdamer URANIA. Denn der frühe Weg des dreimal verheirateten Staatschefs enthält Brüche, Unbekanntes und Zufälle, die nicht in die bisherige musterhafte Kaderbiografie passen.
Martin Sabrow ist Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam und Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Für den Vortrag wird eine Anmeldung per Telefon (0331/291741) oder Mail (verein@urania-potsdam.de) empfohlen.

Vortrag Martin Sabrow: ›Erich Honecker. Das Leben davor 1912–1945‹; 15. Februar 2018, 19 Uhr
URANIA ›Wilhelm Foerster‹ Potsdam e.V., Gutenbergstraße 71/72, 14467 Potsdam; www.urania-potsdam.de
Teilnehmerpreis: 6,00 € / ermäßigt: 5,00 €

 

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