Der nigerianisch-britische Schriftsteller Ben Okri erlangte bereits große internationale Anerkennung durch seine Werke, darunter der preisgekrönte Roman ›The famished Road‹ (1991). Er schrieb in einem seiner Texte, er sei nicht in ein Land oder auf einen Kontinent geboren, sondern in diese Welt. Damit widerspricht Okri der Klassifizierung der Menschen nach Pass und Herkunft. Er sieht sich weder als afrikanischen oder europäischen Autor und schöpft in seinem aktuellen Gedichtband aus dem universellen Wissensschatz der Menschheit. In seinen Gedichten verwebt er die Gedanken von Homer und Heraklit, der alten Dichter und Denker, und spannt den Bogen zur Globalisierung und Migration des 21. Jahrhunderts. In ›Der vergessene Odysseus‹, einer Hommage an eine der ältesten Dichtungen des Abendlandes, flammt das Gefühl über den Verlust von Familie und Heimat auf und die Gewissheit, dass Auswandern und Entfremdung ein wiederkehrendes Phänomen sein kann. Okris eigensinniger, lyrischer Schreibstil ist in dem Band zweisprachig gedruckt und lässt die Leser immer wieder Neues entdecken. Afrika spielt eine zentrale Rolle sowie das Verhältnis von Gegensätzen. Alles ist im Fluss (Heraklit) und miteinander verbunden, seine Themen sind Liebe und Tod, Migration und Heimat, Freiheit und Furcht. »Am Ende ist es eine Überraschung. Alles soll mit allem verbunden sein«, so Okri in ›Wild‹.

 

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