Künstlichkeit, falsche Herzlichkeit, Kitsch-as-Kitsch-can-Kostüme: Wie sehr sich die »Beauty Pageants«, die US-Schönheitswettbewerbe, und die Welt des Eiskunstlaufs gleichen, zeigt derzeit die Mockumentary-Perle ›I, Tonya‹ von Regisseur Craig Gillespie. Sie lässt einen sowohl inhaltlich als auch formal an ›Gnadenlos schön‹ von Michael Patrick Jann aus dem Jahr 1999 denken. Im Mittelpunkt von ›I, Tonya‹ steht die frühere US-Eiskunstläuferin Tonya Harding, ein White-Trash-Girl par excellence: einfache Herkunft, niedriger Bildungsstand, schwierige Familienverhältnisse. Von ihrer Mutter wird Tonya früh mit schonungsloser Härte im Eiskunstlauf trainiert. In jungen Jahren lernt Harding auch den vermeintlichen Mann ihrer Träume kennen, wobei sich die Ehe mit diesem buchstäblich zu einer Gewalttour entwickelt. Der Wendepunkt in ihrer erfolgreichen Sportkarriere ist erreicht, als Tonyas Konkurrentin Nancy Kerrigan durch einen Schlag gegen das Knie außer Gefecht gesetzt wird. Die Ermittlungen lassen nicht lange auf sich warten.
Die Hauptfrage in ›I, Tonya‹ lautet: Ist der Mensch »Opfer« seiner Herkunft, seiner Sozialisation oder kann er sein Schicksal lenken? Eine Antwort darauf gibt Regisseur Gillespie in seinem Independent-Meisterwerk nicht. Die muss der Zuschauer für sich selbst finden, »zwischen den Zeilen«, in den grandiosen Dialogen und der geschliffenen Figuren- und Milieuzeichnung.

Kinostart: 22. März

 

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