Nach ihrem Romandebüt ›Die Farben des Nachtfalters‹ folgt nun Petina Gappahs aktuelle Kurzgeschichtensammlung in deutscher Übersetzung. Auch hier lässt sie ihr Know How als Juristin einfließen. Die »Rotten Row« in Harare, Hauptsitz des Strafgerichtshofes in Simbabwe, ist Dreh- und Angelpunkt der Erzählungen. Der Name dieser Straße stammt noch aus der Kolonialzeit unter britischer Krone. In ihrem Vorwort skizziert die Autorin treffsicher und prägnant einen geschichtlichen Stadtplan um den Ort des Geschehens. Als hätte sie sich inspirieren lassen von dem Strafregister und den Urteilsverkündungen am Gerichtshof, so geschickt sind die einzelnen Episoden in kuriose, kriminelle Handlungen verpackt. Vor diesem Hintergrund thematisiert Petina Gappah Lynchmord, Hexerei, Armut, Homosexualität, Wahlkampf, Verkehrschaos und die Zensur der Medien. Dabei bedient sie sich unterschiedlicher Perspektiven und schreibt beispielsweise aus der Sicht eines Polizisten, einer Juristin oder eines Schülers. Ihr Erzählstil gestaltet sich scharf, direkt, ironisch und gewitzt, wenn die Gerüchte um den schier »unsterblichen« Präsidenten kreisen oder Naivität und fragwürdige Moral eine solide Rechtsprechung einfach aushebeln. Am Ende gibt es eine positive Überraschung, ein Klatschreporter verzichtet auf die vielversprechende Titelstory und entscheidet sich für die Freundschaft.

 

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