Hotelprojekt für den Block an der Gutenbergstraße und der Hebbelstraße, 1988

In Teil 4 steht einer der »kostbarsten Orte« der barocken Innenstadt im Mittelpunkt: das Holländische Viertel. friedrich zeichnet die verschiedenen Konzeptionen nach, die zu DDR-Zeiten für die roten Karrees im Laufe der Jahrzehnte erarbeitet wurden.
Die Landeshauptstadt Potsdam stellt Veranstaltungen der Jahreskampagne vor, die unter anderem an den Potsdamer »Lichtbildner« Max Baur erinnern. Seine Fotografien etwa vom Holländerviertel sind bis heute einzigartig.

Luftbild Häuser und nordöstlicher Bassinplatz 1991

Ende der 1950er-Jahre begann die SED-Führung, den industriellen Wohnungsbau zu propagieren. Mit ihm sollte die »entwickelte sozialistische Gesellschaft« verwirklicht werden. Diese architektonische Marschrichtung spiegelte sich auch in dem Wettbewerb zur Umgestaltung des Potsdamer Stadtzentrums von 1966 wider: Einer der staatlicherseits favorisierten Beiträge sah vor, das Holländische Viertel abzureißen und mit Hochhausscheiben zu bebauen. Für dieses Vorhaben fehlte jedoch das Geld. 1975 wurde in der DDR dann ein Denkmalschutzgesetz verabschiedet. Es hatte wesentliche außenpolitische Bedeutung im Bemühen der DDR um weltweite Anerkennung. Im selben Jahr wurden die Abrisspläne für das Holländerviertel aufgegeben, als mit den Versuchsbauten in der Mittelstraße der Grundsatzbeschluss zur Rekonstruktion des Viertels erreicht werden konnte.
Die Rekonstruktion des Holländischen Viertels begann 1975. Sie wurde mit der Instandsetzung von vier Musterhäusern in der Mittelstraße und der Friedrich-Ebert-Straße erprobt. Rekonstruiert werden sollten die Bauten als Ensemble nach dem Vorbild der Entstehungszeit des Viertels. Das beinhaltete die Wiederherstellung der barocken Dachformen, der Straßenfronten und Giebel. Überformungen jüngerer Zeit wurden entfernt. Dazu gehörten die Abstockung auf zwei Geschosse, die Rebarockisierung sowie der Rückbau von Fenster- und Türöffnungen. In den meisten Häusern sollte Handwerk angesiedelt werden. Die in der Gründerzeit entstandenen abgeschlossenen Höfe sollten geöffnet und in der Mitte der Quarrees als Freiflächen gestaltet werden, als Spielplätze, Trockenplätze oder zur Erholung für die Bewohner. Da diese Ziele nicht zu erreichen waren, vergab man ab 1985 einzelne Grundstücke an junge Familien.
Aufgrund der fehlenden Instandsetzung in über dreißig Jahren waren die Häuser des Holländerviertels Mitte der 1970er-Jahre großenteils in schlechtem Bauzustand. So wurden in den 1980er-Jahren einige Gebäude während der »Rekonstruktion« zu Abrisshäusern, etwa das Haus in der Mittelstraße 4. Dies rief Bürgerinitiativen auf den Plan, die neue Wege für eine Sanierung einforderten.
Eine dieser Bürgerinitiativen machte gegen Ende der 1980er-Jahre ein makaberes Projekt öffentlich: den Umbau eines ganzen holländischen Karrees zu einem »Schlosshotel«. Das Projekt eines Westberliner Entwicklers war über das »Exportkoordinierungsbüro« des DDR-Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski 1988 in Auftrag gegeben worden. Geplant war, alle Vorderhäuser für Hotelzimmer umzubauen. Der Innenbereich des Blockes war nach vollständigem Abriss für Parkplätze und Hotelfunktionen vorgesehen. Die SED-Bezirksleitung rechnete mit Devisen in Millionenhöhe von westlichen Reisenden.
Im Oktober 1989 erwirkten Bürgerinitiativen erst einen vorläufigen, im November einen endgültigen Abriss- und Baustopp, der auch für das Holländische Viertel galt.

Infos zum Thema unter www.potsdam.de im Bericht zur ›Sanierung des Holländischen Viertels 1991 bis 2014‹ oder in dem Buch ›Stadtplanung in Potsdam 1945–1990‹ von Christina Emmerich-Focke

 

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