An sich lese ich, ganz dem Zeitgeist entsprechend, sehr gerne skandinavische Kriminal-Lektüre. Ob man nun aber Neubrandenburg schon mit dem »Hohen Norden« assoziiert, sei jedem selbst überlassen. Auf jeden Fall ist es zumindest nördlich von Potsdam! Und der arg düstere Einstieg in die Geschichte würde jedem Schweden-Krimi gut zu Gesicht stehen. Ein ehemaliger Major der Nationalen Volksarmee (NVA) wird in seinem Wochenendhaus blutüberströmt und mit mehrfach aufgeschnittenen Pulsadern aufgefunden. Doch was im ersten Moment nach Freitod aussieht, erweist sich recht schnell als Mord: Ein grausamer Täter muss seinen Selbstmord an sich gerissen haben, denn Major Hans Konrads Zunge liegt auf einem Armee-Käppi abgeschnitten neben ihm. Und so entwickelt sich eine interessante Geschichte um ein noch aktives Netzwerk ehemaliger Militärs und Stasi-Mitarbeiter. Mit dabei die Journalistin Susanne Ludwig, die frisch geschieden, den Leichnam findet und dessen grausiger Anblick in ihr traumatische Erinnerungen heraufbeschwört. Dazu kommt Kriminalhauptkommissar Michael Herzberg, der vor 30 Jahren im berüchtigten Stasi-Gefängnis Bautzen II eingesessen hat. Dank der vielen ostdeutschen Bezüge und der tiefer liegenden Wende-Thematik ist die ganze Geschichte, gerade für uns Ü30er, oft eng mit der eigenen Lebensgeschichte verbunden. Dazu liest sich der Krimi ausgesprochen gut und flüssig. Im Sommer wäre er die optimale Strandlektüre!

 

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