»Der ganze Strudel strebt nach oben / Du glaubst zu schieben, doch du wirst geschoben!« – diese Worte sagt Goethes Mephisto, als er mit Faust in der Walpurgisnacht den Brocken besteigt. Nirgends liegen Tabu und Faszination so eng beieinander wie bei der orgiastisch-mythischen Szenerie des Hexensabbats. Dabei lässt sich dieser auch einfach als unverklemmtes Fest der Sinnlichkeit verstehen. Der sagenumwobene, fantastische und auch ein wenig unheimliche Hexensabbat zum endgültigen Ende des Winters weckt im wahrsten Sinne des Wortes Frühlingsgefühle. Erotisches in der Kunst ist bis heute etwas ebenso Lustvolles wie Provokantes: Goethe zum Beispiel hat die deftigsten seiner Verse dazu im Nachlass verschwinden lassen.
Der Kleinmachnower Grafiker, Maler und Illustrator Rainer Ehrt hat jetzt ein Künstlerbuch sowie eine Reihe üppiger Zeichnungen und Bilder zum Thema ›Walpurgisnacht‹ erschaffen, die er in diesem Monat im Museumshaus ›Im güldenen Arm‹ Potsdam präsentiert – natürlich nur für Erwachsene. Die Vernissage der Ausstellung findet am 28. April, dem Sonntag vor Walpurgisnacht, um 15 Uhr statt. Sie wird von dem Berliner Journalisten und Künstler Richard Rabensaat eröffnet, für musikalische Begleitung sorgt Cathrin Pfeifer auf dem Akkordeon. Die Ausstellung ist bis zum 24. Juni zu sehen. Der Eintritt ist frei. Außerdem wird Ehrt im Rahmen der Ausstellung aus Goethes nachgelassenem »Walpurgissack« als auch eigene Texte lesen. Die Lesung ist am Tag des offenen Ateliers am 6. Mai um 21 Uhr bei Wein und Kerzenlicht zu erleben.
Das Museumshaus ›Im Güldenen Arm‹ in Potsdams Hermann-Elflein-Straße 3 wurde im Jahr 2010 vom Brandenburgischen Kulturbund übernommen. Das Amt für Denkmalpflege rekonstruierte das Gebäude mit dem beeindruckenden geschnitzten Barockportal Anfang der 1990er-Jahre mit Förder- und Spendengeldern originalgetreu als Museumshaus. Seitdem finden dort kulturhistorische, museale und Kunstausstellungen statt. Literatur- und kleine Konzertveranstaltungen im Haus und im Hofgarten gehören ebenfalls zum Programm. Eine Dauerausstellung zeigt die ganze Fülle und Schönheit historischer Gebrauchsgefäße. Das älteste original restaurierte Haus der zweiten Stadterweiterung ist ein architektonisches Kleinod von Potsdam und selbst bedeutendes Exponat der Stadtentwicklung. Ein Besuch lohnt sich also in jedem Fall.

Ausstellung ›Walpurgisnacht‹
Vernissage: 28. April, 15 Uhr
Museumshaus ›Im güldenen Arm‹
Hermann-Elflein-Straße 3, 14467 Potsdam
Eintritt frei
www.imgueldenenarm.de
www.rainerehrt.de

 

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