Gaswerk Potsdam mit Koksseperation und Zichorienmühle, 1995, Foto Potsdam Museum, Manfred Hamm

In Teil 5 steht ein kultureller »Diamant« Potsdams im Mittelpunkt: die Schiffbauergasse. friedrich entführt auf eine Zeitreise in die Geschichte des Geländes, auf dem sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Kaserne des Leib-Garde-Husaren-Regiments und das Gaswerk befanden.
Die Landeshauptstadt Potsdam stellt Veranstaltungen der Jahreskampagne vor, die sich unter anderem mit der Entwicklung der Schiffbauergasse zum heutigen Erlebnisquartier befassen.

Die Schiffbauergasse gehört mit ihren vielfältigen Locations zu den wichtigsten Kulturstandorten Potsdams. Das Areal wird vor allem von der ehemaligen Kaserne sowie ihren Nebengebäuden und Stallanlagen geprägt. Die Kaserne an der Berliner Straße, damals Neue Königstraße, wurde 1839 bis 1842 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtet. Hundert Jahre später war dort die Panzerabwehr-Abteilung beziehungsweise die Panzerjäger-Abteilung der Wehrmacht untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte zunächst das Ministerium für Staatssicherheit das Gebäude als Polithochschule, dann bezog die NVA das Gelände. Vielen älteren Potsdamern dürfte das Haupthaus als Wehrkreiskommando in Erinnerung sein. Die Gebäude, die heute T-Werk, Fluxus-Museum und Kunstraum beherbergen, waren allesamt Reitställe. Sie wurden zu DDR-Zeiten vom sowjetischen KGB als Fahrbereitschaft genutzt. Auf dem heutigen Schirrhof stand sogar eine Tankstelle. Das gesamte Kasernengelände erstreckte sich bis zur Tramhaltestelle Holzmarktstraße, wo derzeit die beiden Eckhäuser saniert werden. Auf dem Hof dieser ehemaligen Offizierwohnungen steht ein Schuppen, das frühere Pferdelazarett. Wo heute die Schnellstraße entlangführt, befanden sich bis zu deren Bau in den 1970er-Jahren Reitplätze. Vor dem Bau der Humboldtbrücke verband eine Fähre Potsdam mit Babelsberg, wovon noch immer die Datscha, das einstige Fährhäuschen, zeugt. Zur Glienicker Brücke hin reichte die Liegenschaft bis hinter die Zufahrtstraße am VW Designcenter. Die heruntergekommene gelbe Klinkervilla beherbergte ebenfalls Offizierwohnungen. Die Kita ›Zauberstein‹ war das Offizierkasino. Dessen prächtige Innenausstattung fiel in den 1990er-Jahren einem Brand zum Opfer.
Seit 1856 befand sich auf dem Schiffbauergasse-Gelände zudem das Gaswerk. Dessen Produktion nahm in den folgenden Jahren stetig zu, sodass Potsdam 1892 Straßenbeleuchtung mit Gasglühlicht bekam. 1916 kaufte der Magistrat der Stadt Potsdam das Gaswerk samt Rohrleitungsnetz für 3,8 Millionen Reichsmark. In der Bombennacht am 14. April 1945 legte man das Gaswerk still. Das Werk selbst war kaum beschädigt, dafür aber das Leitungsnetz. Darum ging einen Monat später erst ein kleiner Teil des Werks in Betrieb, so viel, um die Großbäckerei Bachmann zu versorgen. Sie belieferte die Potsdamer in der Nachkriegszeit mit Märkerstolz Waffelbrot oder Westfälischem Schwarzbrot. im August 1945 war das Gaswerk wieder voll einsatzfähig. 1949/50 wurde das Havelufer durch Trümmerschutt erweitert. Auf dem so gewonnenen Land entstand wenige Jahre später ein Werkstattgebäude mit Schlosserei: die heutige fabrik. 1953 begann der Bau der Koksseparation, des Gebäudes, in dem dieser Tage der Soft- und Hardwarehersteller Oracle zu finden ist. Der Koks kam mit Schiffen. Sie ankerten dort, wo heute das Restaurantschiff John Barnett liegt. Mit Stilllegung der Produktion Anfang Juli 1990 wurde das letzte Steinkohlegaswerk Mitteleuropas geschlossen.

 

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