Immer wieder fällt in Diskussionen über Versicherungen der Satz: »Wenn man sie wirklich braucht, leisten sie nicht.« Besonders häufig ist diese Aussage in Beratungen zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherungen zu hören. Das ist nicht verwunderlich: Hier ist sowohl der Grund, sich abzusichern, als auch der »Verlust« besonders hoch, wenn es zum Leistungsfall kommt. Im schlimmsten Fall beträgt die Summe mehrere Hunderttausend Euro, die auf die Ausübung der beruflichen Tätigkeit abgesichert werden soll. Die Statistik spricht aktuell von folgender Zahl: 77 Prozent Leistungsquote laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Ärgerlich ist es jedoch vor allem, wenn besonders krasse Negativbeispiele die mediale Berichterstattung bestimmen. Der folgende Fall sorgt auch in der Vermittlerschaft für Kopfschütteln. Worum ging es in der gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen einem Kunden und seinem BU-Versicherer: Am Anfang jedes Versicherungsantrages stehen die Gesundheitsfragen. Diese entscheiden darüber, ob ein Interessent überhaupt versicherbar ist oder nicht. Diese Gesundheitsfragen sind sehr umfassend – und eine (vor allem wissentliche) Falschbeantwortung kann zur Folge haben, dass der Versicherer vom Vertrag zurücktreten und Leistung verweigern kann (sehr pauschal gesprochen). Klar ist beziehungsweise war allerdings auch: Hat der Kunde alles korrekt beantwortet, wonach gefragt wurde, ist er schon einmal bezüglich der vorvertraglichen Anzeigepflicht auf der sicheren Seite. Im vorliegenden Fall passierte nun Folgendes: Es gibt immer mal wieder Vorgänge in puncto Berufsunfähigkeit (BU), bei denen die Gesundheitsprüfung vereinfacht ausfällt und in denen weniger Gesundheitsfragen gestellt werden. Einen solchen Antrag schloss der betreffende Kunde ab, beantwortete richtigerweise alle Fragen, die gestellt wurden mit »Nein« und bekam wenig später beim BU-Antrag trotzdem keine Leistung. Die Begründung des Versicherers: »Spontane Anzeigepflichtverletzung«. Der Begriff war branchenweit ziemlich neu. Der Hintergrund ist Folgender: Weiß der Kunde um zusätzliche Erkrankungen, die risikorelevant sind, aber nicht abgefragt werden, so muss er diese von sich aus melden. Erstaunlicherweise bekam das Versicherungsunternehmen vor Gericht mit dieser Argumentation Recht, allerdings geht der Rechtsstreit noch in weitere Instanzen. Es sei an dieser Stelle dem Kunden gewünscht zu gewinnen, und es bleibt zu hoffen, dass nicht weitere Versicherer von dieser Argumentation Gebrauch machen – erste Befragungen führten hier zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Auch wenn das Beispiel besonders negativ klingt: Die Arbeitskraftabsicherung gehört zu den elementar notwendigen Versicherungen.

friedrich-Redakteur und Versicherungsmakler Klaus Porst gibt Tipps zum richtigen Umgang mit Risiken, Policen und Kleingedrucktem

 

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