Foto: Daniel Krauß

Ende der 1990er-Jahre zog es Joachim Swillus von der Pfalz nach Berlin – eigentlich, um sein Architekturstudium an der renommierten Universität der Künste abzuschließen. Um der Enge der Stadt im Sommer zu entfliehen, zog es ihn ins Berliner Umland. Schon auf der Karte faszinierte ihn Werder. Ohne zu wissen, was ihn erwartet, machte Swillus sich auf den Weg, um dieses »organisch verschlungene Gebilde aus Wasser und Land«, wie er seinen ersten Eindruck beschreibt, zu entdecken.
»Unbewusst war ich auf der Suche nach einer Landschaft, die ähnliche Qualitäten wie die Pfalz aufweist. Ich war seit meinem ersten Besuch von Werder begeistert«, erinnert er sich. Wie der Zufall es wollte, entdeckte der aus einer Winzerfamilie stammende Architekt einige Jahre später den Werderaner Wachtelberg. »Das war ein unglaubliches Erlebnis, wie eine Fata Morgana. Dass es in Brandenburg auch Weinbau gibt, habe ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst. Dieser Ort, der Wachtelberg, hat eine unglaubliche Kraft. Diese Landschaft erinnert vom Bild mehr an die südlichen Weinanbaugebiete, Rheinhessen, Pfalz, wie ein versprengter Teil davon.«
Die Faszination für den Weinberg und die Region ließ nicht ab. Im Gegenteil, sie wurde bei jedem Besuch in der Blütenstadt größer. Nach und nach entwickelte er ein Gefühl für den Weinberg – letztendlich verließ er Berlin für seinen Weinberg. Mit der Liebe zum Wachtelberg wuchs auch die Lust, selbst Reben anzupflanzen und eigenen Wein zu keltern. Dass er heute ein eigenes Weingut, nämlich das Weingut Swillus, betreiben sollte, ahnte er im Jahr 2010 gewiss nicht, als er auf seinem eigenen Grundstück in Werder erste Reben pflanzte. Um vom Riesling bis Cabernet Sauvignon alles anpflanzen zu können, was er selbst gerne trinkt und um mehr produzieren zu können, beantragte er beim Landwirtschaftsministerium von Brandenburg, Rebpflanzrechte zu bekommen. Mit Erfolg.
Heute führt er die seit 240 Jahren in der Familie herrschende Weinbautradition seiner Familie in Werder fort und profitiert von dem, was ihm sein Großvater über den Weinbau einst lehrte. Doch ein Weinberg braucht Zeit und diese gibt Joachim Swillis seinen Reben, die er er nach Vorgaben für biologischen Weinbau anbaut. »Der Weinbau ist, wenn er von Null begonnen wird, wirklich ›slow business‹«, erklärt er. Doch: »Der Ertrag verdoppelt sich jedoch von Jahr zu Jahr.«
Von den Weinen des Weinguts Swillus, zum Beispiel einem St. Laurent Rosé, können sich Interessierte auf regionalen Festen überzeugen. Joachim Swillus selbst genießt übrigens am liebsten den Solaris 2017 trocken vom Werderaner Wachtelberg. Na dann: Prosit!

Weingut Swillus
Starenweg 17
14542 Werder (Havel)

 

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